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Der Adel und die Vergleichbaren Traditionellen Eliten

in den Ansprachen von Papst Pius XII

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Diese Ordnung ist so zu verstehen, daß anfangs nichts neben oder gar gegen den König bestand, der in seiner Person das Volk und das Land verkörperte. Alles unterstand vielmehr dem Monarchen und war seinem Schutz und seiner höchsten Macht anvertraut, damit er das von Regionen und autonomen Orten gebildete organische Ganze, das damals die Nation ausmachte, als sein Hoheitsgebiet bewahrte.

Selbst in Zeiten des weitgehenden Verfalles der königlichen Macht wurde das einheitliche monarchische Prinzip nie in Frage gestellt. Die Sehnsucht nach königlicher und vielerorts sogar nach der kaiserlichen, die ganze Christenheit umfassenden karolingischen Einheit, blieb während des ganzen Mittelalters lebendig. In dem Maße, in dem die Könige also die Mittel zur Ausübung einer das ganze Land überziehenden und dem Gemeinwohl dienenden Macht zurückerlangten, übten sie diese auch effektiv aus.

Kaiser Charlemagne und Alcuin

 

Dieser langwierige Prozeß der Festlegung, Bestimmung und Organisation auf lokaler und später auch auf regionaler Ebene, dem dann ein ebenso schwieriger Prozeß einigender und zentralisierender nationaler Umgestaltung folgte, konnte nicht vonstatten gehen, ohne daß es hie und da zu übertriebenen, einseitig und leidenschaftlich vorgetragenen Ansprüchen von seiten jener gekommen wäre, die für eine gerechtfertigte Autonomie eintraten oder aber notwendig gewordene Neuordnungen vornahmen. Das alles führte im allgemeinen zu Lehenskriegen, die sich oft über längere Zeit hinzogen und manchmal sogar mit internationalen Konflikten verbunden waren.

Das war der schmerzliche Tribut, den die Menschen infolge der Erbsünde, ihrer gegenwärtigen Sünden, infolge der größeren Nachlässigkeit oder Nachsicht, mit der sie dem Bösen begegnen oder sich ihm sogar hingeben, zu zahlen hatten.

 

Ungeachtet all dieser Hindernisse läßt sich der tiefere Sinn der Geschichte des Feudalismus und des Adels nur dann verstehen, wenn man die obigen Erklärungen berücksichtigt. Denn es war ein langer Weg, auf dem sich die Gesellschaft und der Staat des Mittelalters gebildet haben.

König Karl X. von Frankreich

 

In Wirklichkeit entwickelten sich das Lehenswesen und seine Hierarchie unter den verschiedenen Umständen auf eine jeweils andere Art und Weise. So wurde dieser Entstehungsprozeß auch keineswegs von allen europäischen Ländern gleich durchlaufen, sondern nur von einigen. Beispielhaft gilt der beschriebene Vorgang jedoch für diese Herrschaftsform im ganzen.

 

Viele Züge dieses Systems erscheinen in der Geschichte mehrerer Reiche, die das Lehenswesen dennoch nie im vollen Wortsinn eingeführt haben. Als besonders interessante Beispiele wären hier die beiden iberischen Nationen, Portugal und Spanien, zu nennen.[1]

 

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[1] Vgl. z. B. JOSÉ MATTOSO,  A Nobreza Medieval Portuguesa, Lissabon 1981, S. 27f; Enciclopédia Universal Ilustrada, Espasa-Calpe, Bd. XXI, S. 955 u. 958, Bd. XXIII, S. 1139.

 

Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, d.

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 – das regionale Gemeinwohl – der Herr einer ganzen Region

 

Angesichts der veränderten Gegebenheiten konnten die Menschen es wagen, ihren Blick, ihre Gedanken und ihre Tätigkeit auf immer weitere Gebiete auszudehnen. So bildeten sich nach und nach Regionen heraus, die oft von unterschiedlichen lokalen Faktoren geprägt waren, wie etwa geographischen Besonderheiten, militärischen Bedürfnissen, Geschäftsinteressen, Zustrom der Pilger zu den wichtigsten Heiligtümern, die sich oft in den entlegendsten Gebieten befanden. Daneben entstanden berühmte Hochschulen, die eine große Anzahl von Studenten anzogen, und angesehene Messestädte, in denen Jahr um Jahr die Kaufleute zusammenströmten.

 

Kennzeichnend für die einzelnen Regionen wurden auch besondere psychologische Verwandtschaften, die sich aus den verschiedensten Faktoren ergaben: die Tradition gemeinsamer, oft lang andauernder Kämpfe gegen einen Gegner von außen; Ähnlichkeiten in Sprache, Sitten, künstlerischem Ausdruck usw.

 

Auf diese Weise umfaßte ein regionales Gemeinwohl die verschiedenen, mehr örtlich fixierten Gemeinwohle und erreichte damit eine höhere, edlere Stufe.

 

Normalerweise wurde die Sorge um das regionale Gemeinwohl einem Herrn anvertraut, dem der größte Landbesitz gehörte und der, da er die größte Macht und Repräsentativität in der Region besaß, auch in der Lage war, die verschiedenen Teilgebiete zu einem Ganzen zu verschmelzen, ohne deshalb die jeweilige Autonomie beschränken zu müssen. Dies alles diente sowohl Kriegszwecken als auch friedlichen Unternehmungen.

 

Der Herr der Region wurde damit als Abbild des Königs in seiner Region, so, wie dies auch der einfache Großgrundbesitzer auf beschränkter örtlicher Ebene war, mit einer Aufgabe betraut, die ihm allerdings eine Reihe von wesentlich edleren Rechten und Pflichten verlieh.

 

Der Feudalherr, d. h. der edle Landeigentümer, an dessen Eigentumsrecht kraft eines – der heutigen Erbleihe ähnlichen – Bandes eine große Zahl von Beschäftigten teilhatte, schuldete seinem jeweiligen Lehnsherrn einen Lehnsdienst, der dem vergleichbar war, wenn auch nicht identisch, den dieser wiederum dem König zu leisten hatte.

 

So bildete sich an der Spitze der Gesellschaftspyramide langsam eine adelige Rangordnung heraus.

 

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, c.

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Auf diese Weise bildete sich die Adelsklasse als eine untergeordnete Teilhabe an der königlichen Macht heraus.

Das bereits Gesagte zusammenfassend, kann man sagen, daß damals dieser Klasse das private Gemeinwohl anvertraut war, das in der Bewahrung und Förderung der Land- und Viehwirtschaft bestand, von der sowohl die Adeligen als auch das gemeine Volk lebten. Anvertraut war dieser Klasse aber auch das erhabenere, universellere und daher seinem Wesen nach edle öffentliche Gemeinwohl, das es an Stelle des Königs in dem jeweiligen Gebiet zu pflegen galt. Schließlich hatte der Adel auch einen gewissen Anteil an der zentralen Macht des Monarchen selbst, denn in vielen Fällen waren die höheren Adeligen gewöhnlich auch Ratgeber der Könige. Auch die zur Regierung des Landes unabdingbaren Ämter eines Staatsministers, Botschafters oder Feldherrn wurden größtenteils von Adeligen bekleidet. Die Verbindung zwischen hohem öffentlichen Amt und Adelsstand war bald so eng, daß selbst in Fällen, in denen das Gemeinwohl einen Amtsinhaber aus dem Volk verlangte, diesem vom König ein Adelstitel verliehen wurde, der ihn, und oft auch seine Nachkommen, in den Adelsstand erhob.

Dem Landeigentümer, den die Umstände zu einer solch höheren Aufgabe als der reinen Lebensmittelbeschaffung berufen hatten, kam also in Krieg und Frieden die Sorge um die salus publica zu, und das bedeutete normalerweise die Ausübung der Regierungsgewalt innerhalb eines beschränkten Gebietes. Er wurde damit ipso facto in ein höheres Verhältnis versetzt, das ihn zu einer Art Miniaturbild des Königs machte. Seine Aufgabe ließ ihn so zum wesenhaften Teilhaber an der erhabenen Aufgabe des Königs selbst werden.

 

Die Gestalt des edlen Landherrn entstand somit spontan aus den gegebenen Umständen.

 

Die ihm zugefallene private und edle Aufgabe erfuhr nach und nach eine Erweiterung, als die Lage im christlichen Europa weniger besorgniserregend wurde und mit dem Rückgang der Gefahr von außen längere Friedensperioden im Land herrschten. Immer neue Aufgaben gesellten sich zu den alten.

 

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, b.

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Im Kontext dieses Bildes kann man besser erkennen, was Adel bedeutet, diese Klasse, die im Gegensatz zu einigen anderen nicht nur adelige Züge trägt, sondern voll und ganz adelig ist; sie ist der Adel schlechthin.

 

Ein paar Worte zum historischen Ursprung des Adels sollen diese Erklärung verkürzen.

 

a) Die Klasse der Landeigentümer bildet sich als Militäradel und als politische Autorität

 

Als das herrliche Reich der Karolinger in Trümmern lag, fielen über diese Trümmer – in immer neuen verheerenden Wellen – die Barbaren, die Normannen, die Ungarn und die Sarazenen her. Da die von allen Seiten bedrängte Bevölkerung gegen das über sie hereinbrechende Unheil nicht mehr allein bei dem bereits äußerst geschwächten zentralen Königtum ihre Zuflucht suchen konnte, wandte sie sich naturgemäß an die jeweiligen Landeigentümer und suchte bei diesen Führung und Regierung in ihrer unhaltbaren Lage. Die Landbesitzer kamen der Bitte um Hilfe nach und errichteten Festungen für sich und die Ihrigen.

Wenn wir von „Ihrigen“ sprechen, so müssen wir uns dem Geist jener Zeit entsprechend nicht nur die Familienangehörigen vorstellen, sondern die ganze herrschaftliche Gemeinschaft, zu der die Hausdienerschaft und die Handwerker mit ihren auf den Ländereien des Besitzers wohnenden Familien zählten. Allen boten die Festungen, die sich im Laufe der Zeit in stolze Schlösser verwandelten, die wir heute noch in großer Zahl bewundern können, Schutz, Nahrung, religiöse Betreuung und militärische Führung. Im Bereich der Burgen war oft sogar Platz für Hab und Gut und für das Vieh, das die Bauernfamilien so vor der Gier der Eindringlinge zu retten vermochten.

 

Der Landeigentümer und seine Angehörigen stellten sich als erste zum Kampf. Ihre Aufgabe war es, das Kommando zu führen, in den vordersten Reihen zu kämpfen, die gefährlichsten Offensiven anzuführen und bei der Verteidigung den härtesten Widerstand zu leisten.

 

So wurde aus dem Gutsbesitzer auch ein militärischer Anführer und Held.

 

In Friedenszeiten verwandelten sich diese Umstände in politische Macht über die anliegenden Ländereien, und aus dem Gutsbesitzer wurde ein Herr, ein Dominus im eigentlichen Sinn des Wortes, dem auch die Aufgaben eines Gesetzgebers und Richters zustanden. Als solcher wurde er zum Bindeglied mit dem König.

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­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, a.

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Der begeisterte Empfang des Grafen von Artois und zukünftigen König Karl X. bei seiner Heimkehr aus dem Exil zeigt auf klare Weise die Zuneigung, die das Volk den Repräsentanten der alten legitimen und väterlichen Dynastien entgegenbrachte.

König Karl X. von Frankreich

So ist das Ereignis von dem zeitgenössischen Historiker Georges Bordonove beschrieben:

Monsieur [1] zog feierlich  am 10. April 1814 durch das Tor Saint-Denis in Paris ein. Der Baron von Frenilly bezeugt: `Weder Fenster noch Dächer reichten aus, um die begeisterte Menge aufzunehmen, die sich heiser schrie. Alles war mit Fahnen, Vorhängen, Teppichen und Blumen geschmückt, und alle Menschen schwenk­ten Tücher. Es war ein rührendes Schauspiel.’

 

Porte Saint-Denis. Foto von Alec.

Es war ein herrliches Wetter. Die Aprilsonne beschien die Menge von weißen Fahnen, Blumen und lachenden Gesichtern… Kinder und junge Leute klammerten sich an die Fenstergitter, andere, mutige, drängten sich auf den Dächern, schwenkten ihre Hüte. Trommelwirbel ertönte. Pferde tummelten sich auf dem Pflaster. Von allen Seiten ertönten die Rufe: Vive le Roi! Vive Mon­sieur! Beim Näherkommen zum Stadtzentrum von Paris erhöhte sich die Freude, und die Begeiste­rung wurde zum Delirium. Monsieur war wirklich ein schöner Mann! Seine Erscheinung war, trotz seiner 57 Jahre, eindrucksvoll! Seine blaue Uniform, ornamentiert und mit silbernen Achsel­klappen, stand ihm so gut! Er ritt mit solcher Eleganz das wunderschöne, weiße Pferd, das man ihm angeboten hatte! Sein Blick war so stolz und gleichzeitig so voller Güte! Er dankte für die Hoch­rufe auf so liebenswürdige Art! …

 

König Karl X. von Frankreich im Krönungsornat.

Seit so langer Zeit hatte man keinen wirklichen Prinzen gesehen, bezaubernd und ein wirklicher Kavalier! So näherte er sich Notre-Dame.[.. Monsieur erlaubte der Menge, sich ihm zu nähern, seine Stiefel zu berühren, die Steigbügel und den Hals seines Pferdes. Die Kühnheit gefiel. Die Marschälle des Reiches folgten ihm. Einige erschienen vor ihm mit der dreifarbigen Kokarde. Andere verbargen ihre Feindseligkeit nicht. Alle waren darauf bedacht, ihre Posten zu behalten. Monsieur begrüßte sie. Nach und nach ließen auch die Marschälle sich von der allgemeinen Begei­sterung mitreißen. Die Bewegung, die Rufe der be­geisterten Menge verwirrten sie. Sie verstanden nicht, warum die Pariser sich derart für diesen Prinzen begeisterten, ein Unbekannter für sie, noch bis am Vortag. Ein geheimnisvoller Funke hatte ihre Herzen elektrisiert. Monsieur hatte ihn entzündet. Er besaß die Fähigkeit, Gefallen zu erregen, nicht nur die Masse, sondern auch die einzelnen Menschen zu erobern; heute würden wir das Charisma nennen. Er entsprach vollständig der Vorstellung, die man sich von einem Prinzen machte, sein Benehmen war so einfach und doch von höchster Würde, die man nicht lernen, nur erben kann …

Nur schwer bahnte er sich den Weg zu Notre­ Dame, wo ein Te Deum geplant war. Die Ereignisse überstürzten sich derart, daß keine Zeit mehr war, die Kathedrale zu schmücken. Man sah, daß er niederkniete und inbrünstig betete. Er dankte der Vorsehung dafür, daß sie ihm das Glück gewährt hatte, Frank­reich wieder zum Lilienthron zurückzubringen“.2

Möglich ist es, daß der Funke, der sich an der Begeisterung der Pariser über die Rückkehr der legitimen Monarchie entzündete, dadurch ent­stand, daß sie das damals allgemeine Gefühl teilten, welches Talleyrand in den Schlußworten des Briefes, den er an den künftigen Karl X. aus Anlaß der ersten Abdankung Napoleons sandte, so meisterhaft deutlich machte: „Nous avons assez de gloire, Monseigneur, mais venez, venez nous rendre l’honneur“ [Wir haben mehr als genug Ruhm, aber kommen Sie, Monseigneur, kommen Sie, uns die Ehre wiederzugeben].

 

1 So wurde der jüngere Bruder des Königs benannt. Der Graf von Artois war Bruder des Königs Ludwig XVIII.

2 Les Rois qui ont fait la France – Charles X, Ed. Pygmalion, Paris, 1990, S. 121-123

­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente X, #2.

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Beleuchtet von Jean Poyer

Dies ist das Geheimnis der Gesellschaft „im Zeichen des Kreuzes.” Mit derselben Entschlossenheit nahm der mittelalterliche Mensch sein eigenes Leiden auf sich, und ganz besonders die schwersten und unerträglichsten Aspekte seiner Situation. Auf den mittelalterlichen Bildern und Glasmalereien ist das häufig zu sehen – jeder ist mit seinem Handwerk beschäftigt, jeder arbeitet fleißig, doch ohne Hast, Angst oder Trägheit. Jeder trägt sein Kreuz, diesen schwersten Teil unseres irdischen Lebens, freudig und ohne zu murren, denn sein Vorbild ist Christus, der für uns alle so unendlich viel mehr auf sich genommen hat.

Sommer. Gemälde von Jean-François Millet.

„Auf diese Weise sind alle individuellen Leiden nur der Schatten des göttlichen Leidens, und alle Tugenden nur eine teilweise Verwirklichung des absoluten Guten,” wie Huizinga sagt.368 Das Ergebnis dieser mutigen und entschlossenen Annahme des Leidens war, dass jeder Mensch für sich selbst einen Weg suchen und finden konnte, Christus nachzuahmen, mit dem Ziel, die Vollkommenheit und Heiligung zu erreichen. Diese Perfektion kam dann in der Qualität seiner Arbeit, seiner Meisterwerke und seiner Monumente gut zum Ausdruck.

Holzschnitzer von Oberammergau. Gemälde von Toby Edward Rosenthal.

Wie weit sind solche Überlegungen von dem entfernt, was die Menschen von heute bewegt! Sie suchen flüchtiges und leichtes Glück, fliehen Schmerz und Not, verlieren sich in hysterischer Kurzweil und versuchen ständig, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. In ihrer Blindheit können sie Christus und seine göttliche Geradlinigkeit nicht mehr sehen und ihm auch nicht mehr auf dem schmerzvollen Weg des Kreuzes folgen.

 

Und doch war es diese Perspektive, die die Blütezeit des Mittelalters hervorbrachte. Der mittelalterliche Mensch hatte das Mittelalter nicht geplant; er bemühte sich nur, so zu sein wie Jesus Christus und aus der Umsetzung dieses Bestrebens ging das Mittelalter hervor und entfaltete sich zu voller Blüte.

Jarviewalk and the Festival of Colors 2012. Foto von MarkEsguerra.

 

Dies ist das Geheimnis des Mittelalters — und es ist auch unser Geheimnis. Hätten wir eine ähnlich lebendige und liebevolle Beziehung zu Jesus Christus, dann würden wir nach dem streben, wonach die Menschen des Mittelalters strebten und könnten das erreichen, was sie erreichten.

368 ebd., 206.

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Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft — wo wir waren, wie wir in unsere heutige Lage gekommen sind — und wohin wir uns nun wenden sollten, von John Horvat II. Kapitel 50

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Der Sturm naht

Der Sturm naht. Jeder von uns hat eine Aufgabe zu erfüllen. Auf der persönlichen Ebene sollten wir nach Möglichkeiten suchen, uns von der frenetischen Maßlosigkeit zu befreien und – als Vorbereitung auf die kommende Krise – einen organischen und gemäßigten Lebensstil zu entwickeln.

25 February 2022, London.

 

Noch wichtiger ist es jedoch, über unser persönliches Leben hinaus die allgemeine Wirkung des Sturms auf die Gesellschaft zu verstehen und Teil des Kreuzzugs an Ideen und Prinzipien zu werden, der uns allen erlaubt, uns nach unseren jeweiligen Möglichkeiten an der großen Debatte zu beteiligen, die unseren Kurs bestimmen wird.

 

26 February 2022, London

Am wichtigsten aber ist unsere Bereitschaft, für unser Vaterland Opfer zu bringen und uns in dieser Stunde der Not um das Banner einer Rückkehr zur Ordnung zu scharen. Im Vertrauen auf die Vorsehung können auch wir uns die Worte von George Washington zu eigen machen, der einst angesichts einer großen und unvermeidbaren Krise folgendes erklärte: „Lassen Sie uns ein Banner erheben, unter dem die Klugen und Anständigen Zuflucht nehmen können. Die Ereignisse selbst liegen in Gottes Hand.”370

 

370 Spalding and Garrity, A Sacred Union of Citizens, 27.

 

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Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft — wo wir waren, wie wir in unsere heutige Lage gekommen sind — und wohin wir uns nun wenden sollten, von John Horvat II. Kapitel 51

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1. Der Empfang für Kaiser Franz I. in Wien nach dem Abzug der napoleonischen Truppen

 

Der väterliche Charakter der mittelalterlichen Monarchie wurde weitgehend von den Herrschern des Hauses Habsburg bis zu ihrem Thronverlust im Jahre 1918 bewahrt.

Kaisers Franz I.

 

Der Herzlichkeit dieses Charakters verleiht die Rede deutlichen Ausdruck, die der Bürgermeister von Wien gehalten hat, als er kurz nach der Niederlage bei Wagram (1809) Kaiser Franz I. empfing. Für einen Leser, der vielleicht vom Geiste des Klassenkampfes durchdrungen ist, könnte diese Rede eher einem Märchenbuch entstammen, als einem geschichtlichen Ereignis.

 

Der Wortlaut dieser Rede wird von einem unbestreitbar korrekten Berichterstatter, dem Historiker Prof. Dr. Johann Baptist von Weiß (1820-1899) wiedergegeben:

 

„Die Anhänglichkeit [der Wiener] zeigte sich am feurigsten beim Empfang des Kaisers Franz I. nach dem verheerenden Krieg beim Abzug der Franzosen aus Wien am 20. November 1809, nach einem drückenden Aufenthalt im Lande von sechs Monaten und sieben Tagen. …

Am 16. November zogen österreichische Truppen wieder in Wien ein, am 27. November kam der Kaiser um vier Uhr nachmittags. Schon am frühen Morgen zogen Tausende und Tausende hinaus gegen Simmering, den geliebten Kaiser zu empfangen. Ganz Wien war auf den Beinen, Kopf an Kopf harrten sie wie Kinder auf den Anblick des teuren Vaters. Endlich um vier Uhr erschien er ohne jede Leibwache, in offener Kalesche in der Uniform seines Husarenregimentes, den Oberst­hofmeister Grafen Wrbna an seiner Seite. Der Boden, die Luft schienen zu zittern vom Jubelruf. `Willkommen unser Vater!’ Das Schwenken der Tücher wollte kein Ende nehmen.

 

Schlacht bei Wagram. Gemälde von Emil Adam

Der Bürgermeister redete ihn an: ‚Geliebter Fürst! Wenn ein Volk im Kampf mit dem Unglück, leidend in mannigfacher Art, nur der Leiden seines Fürsten gedenkt, dann ruht die Liebe auf tiefem Grunde des Gefühls, nie vergänglich und fest. – Wir sind dieses Volk! Als unsere Söhne dahinsanken im blutigen Streite, als zerstörende Gewalt glühender Kugeln unsere Häuser stürzte, als die Grundfesten Wiens erbebten vom Donner der Schlachten, dachten wir Dein, Fürst und Vater, da dachten wir Dein in stiller Liebe. Denn Du hast diesen Krieg nicht gewollt. Nur das Verhängnis der Zeiten drang Dir ihn auf. Du hast das Beste gewollt. Der Urheber unserer Leiden warst Du nicht. Wir wissen es, daß Du uns liebst; wir wissen es, daß unser Glück Dein hei­liges, festes Wollen ist. Wir haben ihn oft empfun­den, den Segen Deiner väterlichen Milde. Be­zeichnet hast Du Deine Wiederkehr mit neuer Wohltat. Sei darum, väterlicher Fürst, in unserer Mitte mit unveränderter Liebe gegrüßt! Wohl hat der unglückliche Erfolg des Krieges Dir einen Teil der Untertanen geraubt. Doch vergiß den Schmerz Deines Verlustes im engeren Verein Deiner Treuen. Nicht die Zahl, nur der feste, andauernde Wille, die alles bindende Liebe sind der Throne heilige Stützen. Und von diesem Geiste sind wir alle beseelt. – Wir wollen Dir ersetzen, was Du verloren! Wir wollen bleiben unseres Vaterlandes wert; denn kein Österrei­cher verläßt seinen Fürsten, wenn es gilt. – Mögen die Mauern, die Deine Burg umgeben, in Trümmer zerfallen, die festeste Burg sind die Herzen Deines Volkes’.

 

Einen wärmeren Empfang hat wohl kein Monarch erhalten. Franz konnte nur im Schritt fahren. Das Volk küßte ihm die Hände, die Kleider, die Pferde. Bei der Burg angelangt, trug es ihn die breite Treppe empor. Am Abend waren die Stadt und die Vorstädte glänzend beleuchtet.“1

 

1 Lehrbuch der Weltgeschichte von Prof. Dr. Johann. Baptist. von Weiß. Verlags-Buchhandlung ,Styria’. Graz, 1898, Bd. X, S. 94-95.

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­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente X, #1.

 

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Über die Zulässigkeit des Krieges gegen die Heiden hat der heilige Bernhard folgende leidenschaftlichen Worte geprägt:

 

Der Johanniterorden gemälde von Gustav Adolf Closs.

„Die Ritter Christi können mit ruhigem Gewis­sen den Kampf für den Herren führen, sie müssen keinesfalls, weder die Sünde des Todes des Feindes wegen, noch die Gefahr des eigenen Todes fürch­ten, denn in diesem Falle ist der erlittene Tod oder verursachte Todschlag um Christi Willen erfolgt. Dieser Tod hat nichts Verbrecherisches an sich, sondern ist oft die Ursache des Ruhmes. Denn der Tod des Feindes erwirbt Ruhm für Christus, der eigene Tod führt zu Christus selbst. Christus wird wohl den Tod des Feindes gerne wie dessen Strafe annehmen, lieber noch, wird er seinen Soldaten trösten. Der Ritter Christi tötet mit ruhigem Gewis­sen, und stirbt sicher seiner selbst. Wenn er stirbt, arbeitet er für sich, tötet er, so tut er es für Christus.

Luis Segura Vilchis, unmittelbar bevor er hingerichtet wurde.

Und er trägt sein Schwert nicht umsonst: er ist Diener Gottes zur Bestrafung der Bösen und zum Ruhme der Guten. Wenn er einen Missetäter tötet, ist das kein Todschlag, er hat, um es so zu sagen, das Böse getötet und man muß in ihm sowohl den Rächer im Dienste Christi, als auch den Beschützer des christlichen Volkes sehen. Wenn der Ritter aber fällt, darf man nicht glauben, daß er gestorben ist – er ist in die himmlische Herrlichkeit eingegan­gen. So ist der Tod, den er jemandem zufügt, zum Besten Christi geschehen und der, den er selbst erleidet, ist ein Gewinn für ihn selbst. Beim Tod des Heiden rühmt sich der Christ, weil Christus gerühmt wird, beim Tod des Christen zeigt sich die Freigebigkeit des Königs, indem er den Soldaten rühmt, der gelobt zu werden verdient.

Foto von ToLo46

Über den König freut sich der Gerechte, wenn er sieht, wie der König straft. Von ihm wird gesagt werden: `Der Gerechte wird seine Belohnung bekommen. Es ist ein Gott da, der auf Erden seine Gerichte durchführt` (Ps. 57, 12). Die Heiden sollten ja gar nicht getötet werden, wenn man auf irgendeine Art ihre übergroßen Verbrechen verhindern und ihnen die Mittel zur Unterdrückung der Gläubigen nehmen könnte. Aber derzeit ist es besser, daß sie getötet werden, damit auf diese Weise die Gerechten nicht durch die Bosheit ihrer Hände gebückt werden. Wenn das nicht geschieht wird sicherlich die Geißel der Sünder die Gerechten treffen“.1

 

1 De laude novae militiae, Migne P.L., Bd. 182, col. 924.

 

­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente XI, #3.

 

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Weihnachtsmesse

Für sie war Jesus Christus tatsächlich in allen Dingen die Leitfigur. „Um die Gestalt der Gottheit”, schreibt Johan Huizinga, „kristallisierte sich ein majestätisches System wechselseitig miteinander verbundener Figuren heraus, die alle einen Bezug zu Gott haben, weil alle Dinge von ihm ihre Bedeutung erhalten.”1

 

Mitternachtsmesse an Heiligabend.

Die Menschen des Mittelalters fühlten sich nicht nur zu einer abstrakten Figur der Gottheit hingezogen. Was sie berührte, war die Tatsache, dass das Wort, die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, Fleisch geworden war und unter uns gewohnt hatte. Der mittelalterliche Mensch nahm auf sehr persönliche Art und Weise nicht nur zu Herzen, wer Er ist, sondern auch alles, was Er gelehrt und getan hatte.

Wie wir bereits erwähnt haben, lässt sich ein schwaches Echo dieser allgemeinen Wahrnehmung noch in der Weise spüren, in der wir das Weihnachtsfest feiern. Der Heilige Abend ist immer noch durchdrungen von dieser mittelalterlichen Vorstellung von der Geburt unseres Erlösers; diese stille und heilige Nacht läßt uns immer noch die Süße und Perfektion spüren, die von dem göttlichen Kind in der Krippe in Bethlehem ausgeht.

 

Dasselbe tiefe und allgemeine Gefühl von Liebe und Dankbarkeit begleitete auch Leiden, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt unseres Herrn Jesus Christus – weit über irgendwelche anderen Andachtsübungen hinaus, die es davor gegeben hatte; diese fast zärtliche Haltung dem Erlöser gegenüber „löschte die Spuren der früheren Strenge und Zurückhaltung aus“, die die Entwicklung der Spiritualität in der frühen Kirche des patristischen Zeitalters geprägt hatten.2

„Es ist richtig, dass Augustinus große Liebe zu Gott empfand,” schreibt der Historiker Henry Osborn Taylor. „Diese Liebe war tiefempfunden; sie war logisch begründet; sie brachte seine Gedanken in leidenschaftliche Erregung. Und doch enthielt sie nicht jene zärtliche Liebe zu Christus, dem Gottmenschen, die in den Worten des heiligen Bernhard mitschwingt und das Leben des heiligen Franz zu einem lyrischen Gedicht machte.”3

 

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1 Huizinga, Waning of the Middle Ages, 202.

2 R. W. Southern, The Making of the Middle Ages (New Haven: Yale University Press, 1953), 233.

3 Henry Osborn Taylor, The Medieval Mind: A History of the Development of Thought and Emotion in the Middle Ages (New York: Macmillan, 1919), 1:360.

Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft, von John Horvat. Kapitel 50.

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Weihnachtsfreude I

Weihnachtsfreude?

Ja! Aber doch viel mehr als das. Für einen wahren Katholiken ist es die Freude der 365 Tage des Jahres . Denn in der Seele, in der durch die Gnade der Erlöser wohnt, ist diese Freude immer da und sie erlöscht nie. Weder Schmerz, noch Kampf, weder Krankheit noch selbst der Tod verdrängen diese Freude.
Es ist die Freude des Glaubens und des Übernatürlichen Lebens. Die Freude der sakralen Ordnung.

(Plinio Corrêa de Oliveira, “Folha de S. Paulo”, 27.12.1970)

http://p-c-o.blogspot.com/2017/12/weihnachtsfreude-i.html

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Jedes Volk verherrlicht das Jesuskind
auf eigene Weise mit seinen Weihnachtsliedern

 

von Plinio Corrêa de Oliveira

 

In den verschiedenen Nationen variieren die Weihnachtslieder je nach nationaler Eigenart, aber in allen sind immer die gleichen Eigenschaften vorhanden, die für die Heilige Nacht angemessen sind. Es gibt nordamerikanische, brasilianische, italienische, deutsche, französische, spanische Weihnachtslieder usw. Sie unterscheiden sich stark voneinander, bringen jedoch dieselben Gefühle zum Ausdruck, die das Jesuskind, die Muttergottes, der Heilige Josef und die Krippe hervorrufen. Was sind das für Gefühle?

Das erste ist Unschuld. Die verschiedenen Völker wussten, wie sie wirklich Hymnen der Begeisterung auf die Unschuld des Jesuskindes verfassen konnten, die in Form von Akkorden und Melodien die Unschuld jedes Einzelnen Volkes widerspiegeln, um Ihn zu verherrlichen. Die Begeisterung, die jedes Volk für die Unschuld des göttlichen Kindes ausdrückt, spiegelt ein Element der Unschuld wider, das in uns ist. Wenn wir keine Unschuld hätten, würde uns das Jesuskind gar nicht interessieren. Es gibt Menschen, denen das Jesuskind nicht interessiert oder die aus reiner Formalität zum Schein sich interessiert zeigen. Da in unsere Seele aber eine Unschuld eingeprägt ist, interessieren wir uns und loben die vom Jesuskind ausstrahlende Unschuld mit unseren Melodien.

Auch ein Gefühl der Zärtlichkeit ist vorhanden, weil das Jesuskind so klein und schwach ist, obwohl Es ja zugleich Gott ist. Wir fühlen eine Art Zärtlichkeit, Mitgefühl zu diesem neugeborenen Kind in der Krippe, wenn wir auch wissen, dass es der menschgewordene Gott ist – so etwas großes, in diesem kleinen Kind enthalten. Dies führt zu dem Wunsch, das Jesuskind vor allen Angriffen und Gefahren zu schützen. So klingen in einigen Weihnachtsliedern gewisse Töne Verteidigung des schutzbedürftigen göttlichen Kindes an.

Weihnachtslieder aus verschiedenen Ländern könnte man mit der Sonne vergleichen, deren Licht überall die gleiche Farbe hat; wenn es jedoch durch ein buntes Fensterglas strahlt, nehmen die Strahlen unterschiedliche, aber harmonische Farben an. Das Sonnenlicht, das durch ein farbiges Glas scheint, wirft Schönheiten wie Edelsteine.


Ebenso ist das Jesuskind einzig. Aber wenn es von der angelsächsischen Seele besungen wird, vernehmen wir eine bestimmte Art von Schönheit; wenn von der deutschen Seele einen weiteren Aspekt des Schönen; von der lateinischen, brasilianischen, spanisch-amerikanischen Seele, erscheinen andere Schönheiten. Ich habe slawische Lieder gehört, auch russische; sehr schön, aber mit anderen Noten. Alle diese Lieder bilden ein buntes Fenster des Jesuskindes.

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer eines informellen Vortrags von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, den er am 30. Dezember 1988 hielt.

 

Quelle https://www.abim.inf.br/variedade-e-unidade-nas-cancoes-de-natal/ am 13. Dezember 2020

Er wurde übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne Überarbeitung des Autors.

 

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

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von Plinio Corrêa de Oliveira

In einer geschichtlichen Perspektive gesehen, stellt das Weihnachtsfest den ersten Lebenstag der christlichen Zivilisation dar. Noch war es zwar ein aufkeimendes, erst an seinem Anfang stehendes Leben, vergleichbar der aufgehenden Sonne, doch dieses Leben barg bereits all die unvergleichlich reichen Bestandteile der herrlichen Reife seiner Bestimmung in sich.

Denn, wenn wir bedenken, dass sich alle Reichtümer der christlichen Zivilisation in unserem Herrn Jesus Christus als ihrer einzigen, unendlich vollkommenen Quelle enthalten sind, und dass sich das Licht, das für die Menschen in Bethlehem zu strahlen begann, immer weiter erstrecken sollte, bis es die ganze Welt erleuchtete und die Gesinnungen verwandelte, Sitten aufhob und neue begründete, allen Kulturen einen neuen Geist einflößte, alle Zivilisationen auf eine höhere Stufe erhob, dann kann man auch sagen, dass der erste Tag Christi auf Erden von Anfang an der erste Tag eines neuen Zeitalters war.

Wer hätte das geahnt? Es gibt kein schwächeres Menschenwesen als ein Kind, keine ärmlichere Wohnstatt als eine Grotte, keine rohere Wiege als eine Krippe. Und doch wird dieses Kind in dieser Grotte, in dieser Krippe den Lauf der Geschichte verändern.

Und was für eine Veränderung!
Die schwierigste von allen, denn es ging nicht einfach darum, den Lauf der Dinge in der Richtung zu beschleunigen, die sie genommen hatten, sondern die Menschen auf den Weg zu leiten, der ihren Neigungen am deutlichsten entgegenstand, auf den Weg der Strenge, des Opfers, des Kreuzes. Es handelte sich darum, eine durch Aberglauben, religiösen Synkretismus und totale Skepsis verrottete Welt auf den Weg des Glaubens zu führen, eine Menschheit zur Gerechtigkeit zu bewegen, die allen möglichen Formen der Bosheit verfallen war: der despotischen Herrschaft des Starken über den Schwachen, der Massen über die Eliten und der Plutokratie, die die Fehler der bereits genannten in sich vereint, über die Masse. Es sollte eine Welt zur Entsagung angehalten werden, die sich allein dem Vergnügen in allen seinen Formen hingab. Es ging darum, der Reinheit in einer Welt Raum zu schaffen, in der alle Laster

bekannt, geübt und gut geheißen wurden. Natürlich musste diese Aufgabe unlösbar erscheinen, und dennoch hat sie das göttliche Kind vom ersten Augenblick seines Erscheinens auf Erden an in Angriff genommen, und weder der Hass eines Herodes, noch die Gewalt der römischen Herrschaft und die Macht der menschlichen Leidenschaften vermochten es aufzuhalten.

Zweitausend Jahre nach der Geburt Christi scheint es, dass wir wieder zum Ausgangspunkt zurückgekommen sind. Die Anbetung des Geldes, die Vergöttlichung der Massen, die grundlose Sucht nach den eitelsten Vergnügungen, die despotische Herrschaft der brutalen Gewalt, der religiöse Synkretismus, der Skeptizismus, alles in allem, das Neuheidentum in all seinen Erscheinungen hat sich wieder über die ganze Welt verbreitet.

Er käme einer Gotteslästerung gleich, wer hier behaupten wollte, dass dieses höllengleiche Durcheinander von Korruption, Revolte, Gewalt, das wir vor uns haben, die christliche Kultur, das Reich Christi auf Erden sei. Nur hier und da überlebt der eine oder andere große Umriss der ehemaligen Christenheit verletzt in der heutigen Welt. Doch in ihrer vollständigen und globalen Wirklichkeit existiert die Christenheit nicht mehr, und von dem großen Licht, das in Bethlehem zu leuchten anfing, erleuchten nur einige wenige Strahlen die Gesetze, die Sitten, die Institutionen und die Kultur des 20. Jahrhunderts. Wie ist es dazu gekommen? Hat das Wirken Jesu Christi – genauso gegenwärtig in unseren Tabernakeln, wie damals in der Krippe in Bethlehem – an Wirksamkeit verloren? Keinesfalls!

Wenn die Ursache nicht bei Ihm ist und bei Ihm nicht sein kann, dann ist sicherlich bei den Menschen zu suchen. Jesus kam in eine äußerst dekadenten Welt, doch dann fand Er und nach Ihm die Heilige Kirche Seelen, die sich der Verkündigung des Evangeliums öffneten. Heute wird das Evangelium in der ganzen Welt gepredigt. Doch die Zahl derjenigen, die hartnäckig sich weigern, das Wort Gottes zu hören, wird erschreckend immer größer. Ebenso derer, die durch ihre Gedanken oder Sitten sich am entgegengesetzten Pol der Kirche befinden. „Lux in tenebris lucet, et tenebrae eam non comprehenderunt“.

Das und nur das ist der Grund des Verfalls der christlichen Kultur auf der Welt. Denn, wenn der Mensch nicht Katholisch ist und es nicht sein will, wie kann die Zivilisation, die seine Hände hervorbringen soll, christlich sein?

Es ist erstaunlich, dass so viele Menschen sich fragen, welches der Grund der titanischen Krise ist, in der sich die Welt herumschlägt. Man braucht sich doch nur vorzustellen, die Menschheit würde die Gebote Gottes befolgen, um zu verstehen, dass die Krise sich auflösen würde. Das Problem liegt also an uns, an unserem freien Willen. Es liegt an unserem Verstand, der sich der Wahrheit verschließt; an unserem Willen, der von den Trieben beansprucht, sich dem Guten verweigert. Die Umkehr des Menschen ist heute die wichtigste und unerlässlichste zu vollziehende Reform. Mit ihr wäre alles gelöst. Ohne sie, werden alle Mühen nutzlos sein.

Dies ist die große Wahrheit, die man zu Weihnachten betrachten sollte. Es reicht nicht, dass wir uns vor dem Jesuskind verneigen unter den Klängen liturgischer Musik, eingestimmt in die Freude der Gläubigen. Jeder von uns muss sich um seine eigene Umkehr kümmern, und auch um die Umkehr des Nächsten, damit die gegenwärtige Krise eine Lösung finde, damit das Licht, das in der Krippe leuchtet, freien Lauf bekommt, um über die ganze Welt erstrahlt.

Doch wie soll man das erreichen? Wo sind die Kinos, Rundfunksender, Zeitungen, Organisationen? Wo sind unsere Atombomben, Trompetenstöße, Heere? Wo sind unsere Banken, unsere Schätze, unsere Vermögen? Wie, gegen die ganze Welt kämpfen?

Diese Frage ist naiv. Unser Sieg kommt im Wesentlichen und vor allem von Unserem Herrn Jesus Christus. Banken, Radios, Kinos, Organisationen sind wichtig und gut und wir haben die Pflicht sie für die Ausbreitung des Reiches Gottes einzusetzen. Aber nichts von dem ist absolut notwendig. Mit anderen Worten, wenn die katholische Sache mit diesen Mitteln nicht rechnen kann, nicht aus Nachlässigkeit oder durch Mangel an unsere Großherzigkeit, aber ohne eigenes Verschulden, wird der göttliche Heiland das Notwendige tun, damit wir auch ohne alldem siegen. Das Beispiel geben uns die ersten Jahrhunderte der Kirche: Ist sie nicht siegreich aus allen Schwierigkeiten und Verfolgungen hervorgegangen, trotz aller Mächte der Welt, die sich gegen sie verbündet hatten?

 

Vertrauen in Unserem Herrn Jesus Christus, vertrauen in das Übernatürliche, das ist die kostbare Lehre, die uns Weihnachten erteilt.

Beenden wir diese Betrachtungen nicht ohne noch eine Lehre wie milden Honig hieraus zu schöpfen. Ja, wir haben gesündigt. Ja, enorm sind die Schwierigkeiten auf diesem Rückweg, beim Aufsteigen. Ja, unsere Vergehen, unsere Treulosigkeit rufen den Zorn Gottes auf uns herab. Doch an der Krippe haben wir die gütigste Mittlerin. Sie ist nicht Richterin sondern Fürsprecherin, die für uns jedes Mitleid, jede Zärtlichkeit, jede Nachsicht einer vollendeten Mutter hat.

Mit dem Blick auf Maria, mit ihr vereint, bitten wir durch sie an diesem Weihnachten um die einzig wirklich wesentliche Gnade: Das Reich Christi komme in uns und um uns.

Alles andere wird uns dazugegeben.

(Freie Übersetzung aus „Catolicismo“, Dezember 1952)

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