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Der Adel und die Vergleichbaren Traditionellen Eliten

in den Ansprachen von Papst Pius XII

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Bau einer gotischen Kathedrale von Jean Fouquet.

Während ein Verständnis für die hohen und erhabenen Ideale der mittelalterlichen Gesellschaft uns in unserer Suche nach wirtschaftlichen Lösungen helfen kann, zeigen uns solche Überlegungen nur einen Teil des Gesamtbilds. Weder diese Ideale noch die auf ihnen aufgebauten Träume können eine völlig ausreichende Erklärung für die Blüte des Mittelalters liefern.

Gemälde von François-Marius Granet.

Auch der strenge und mühsame Weg des Kreuzes, der die Inspiration für den Kampf gegen die ungeordneten Leidenschaften war, würde für sich allein nicht ausreichen, eine Gesellschaft zum Streben nach außergewöhnlichen Leistungen zu inspirieren, da der Mensch von Natur aus dazu neigt, Leiden und große Anstrengungen zu vermeiden.

Innenansichten von Der Kölner Dom. Foto von Pedro Szekely.

Tatsächlich war der wesentliche Motivationsfaktor, der die Überwindung aller Hindernisse möglich machte, ein anderer: das „Geheimnis” der Blüte des Mittelalters war die Tatsache, dass der mittelalterliche Mensch eine sehr lebendige, bewundernde und liebende Vorstellung von der Person unseres Herrn Jesus Christus hatte. Die mittelalterlichen Menschen hatten ein sehr greifbares und persönliches Verständnis seiner Vollkommenheit – seiner Weisheit, seiner Güte und seiner Gerechtigkeit – das die ganze Gesellschaft durchdrang und einte.

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Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft, von John Horvat. Kapitel 50.

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Für diejenigen, denen diese Begriffe zu abstrakt und unerreichbar klingen, hat der Historiker Lewis Mumford das Thema von einer anderen Seite beleuchtet, indem er den äußerst praktischen Charakter unserer Träume und ihren Unterschied zu reinen Fantasiegebilden hervorgehoben hat.

…sich karitativ betätigen

Er definiert einen Traum ganz einfach als eine ideale Vision, durch die sich eine soziale Gruppe „eine neu zusammengesetzte Umgebung vorstellt, die besser an die Natur und die Ziele der in ihr lebenden Menschen angepasst ist als die, in der sie tatsächlich leben.”350

Mit anderen Worten: sobald eine Familie oder soziale Gruppe übereinstimmend beginnt, ihre eigenen Lebens- oder Handlungsweisen zu entwerfen, die ihr Leben hoffentlich besser oder vollkommener machen werden, ist sie auf dem besten Weg, ihren eigenen Mythos oder Traum zu kreieren. Tatsächlich stimmt Mumford mit Anatole France überein, dass diese Träume die Grundlage allen Fortschritts darstellen, ohne die wir vielleicht noch als Wilde in Höhlen leben würden.351

…umsichtig sein

Eine Familie könnte also etwa eine bestimmte Art karitativer Tätigkeit entwickeln, eine andere einen Weg finden, besonders klug zu handeln und eine dritte könnte neue Wege der Sparsamkeit und Genügsamkeit öffnen. Jede von ihnen versucht, dieses tiefe psychologische Bedürfnis zu befriedigen, das sie danach streben lässt, ihre eigenen Träume zu realisieren und ihr Leben entsprechend zu organisieren, da „die Dinge, von denen wir träumen, stets dazu neigen, sich bewusst oder unbewusst in den Mustern unseres täglichen Lebens Bahn zu brechen.”352

…sparsam sein

Wir sollten keine Angst davor haben, dass unsere Träume nicht immer vollständig umsetzbar sein werden. Sie sollten vielmehr dazu dienen, uns in eine allgemeine Richtung zu führen. Wie die Magnetnadel des Kompasses, die uns den Weg zu einem idealen und unerreichbaren „Norden” weist, sollten wir laut Mumford unsere Träume als Pfadfinder sehen, die uns helfen, auf unserem Weg sicher fortzuschreiten.

Ein Marine-Matrose während WWII.

Wenn unser Zeitalter kulturell verarmt erscheint, ist dies nicht die Schuld unserer Träume, sondern der Tatsache, dass wir nicht genug geträumt haben. Wir hören nicht auf unsere Träume.

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350 Lewis Mumford, The Story of Utopias (New York: Viking Press, 1962), 21.
351 siehe ebd., 22.
352 ebd., 25.

Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft, von John Horvat.  Kapitel 48, Die Träume der Menschen

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Gemälde von Pierre Henri Théodore Tetar van Elven.

In dieser Atmosphäre des Zusammenhalts und vor allem der Gnade beginnen die Mitglieder einer Gesellschaft ihr gemeinsames Leben zu idealisieren. Einige Autoren haben dieses Gefühl der vorgestellten Vollkommenheit als Schaffung von „Utopien” abgetan. Wir sind der Meinung, dass derartige Prozesse darin ausgedrückt werden, wie bestimmte soziale Gruppen ihre eigenen Mythen, Legenden oder Träume schaffen.

Gemälde von Leon Joseph Voirin.

Alle diese Begriffe beziehen sich auf jene unverzichtbare Fähigkeit, die es den Familien, sozialen Einheiten oder Völkern in ihrer großen Einheit ermöglicht, eine Vision für ihre Zukunft zu schaffen, die sowohl die vorhandenen praktischen Mittel als auch das höhere Ideal berücksichtigt.

Der Stadtgraben mit der St. Peterskirche und dem Schiffertor von Friedrich Perlberg.

„Wir haben keine Kenntnis von einer menschlichen Gemeinschaft, in der die Menschen nicht träumen,” schreibt Irving Kristol. „Dies bedeutet, dass wir von keiner menschlichen Gemeinschaft gehört haben, deren Mitglieder nicht die Vision einer Perfektion haben – eine Vision, in der die Frustrationen, die unserem menschlichen Zustand inhärent sind, aufgehoben und überwunden werden.”346

Gemälde von Meindert Hobbema.

„Die ideale Gesellschaft ist nicht außerhalb der realen Gesellschaft; sie ist ein Teil derselben,” schreibt Émile Durkheim. „Weit davon entfernt, zwischen den beiden wie zwischen zwei Polen, die sich gegenseitig abstoßen, hin- und hergerissen zu sein, können wir nicht die eine anstreben, ohne an der anderen festzuhalten.”347

Haus Heeren, Kreis Hamm

„Ohne den metaphysischen Traum ist es unmöglich, sich ein harmonisches Zusammenleben der Menschen über längere Zeit vorzustellen,” schreibt Richard Weaver. „Der Traum trägt in sich eine Bewertung, die das Band der spirituellen Gemeinschaft ist.”348

George Washington in Bartrams Garten. Gemälde von Jean Leon Gerome Ferris.

Derselbe Autor spricht von Mythen als „großen symbolischen Strukturen, die die Phantasievorstellungen eines Volkes zusammenhalten und eine Grundlage für harmonisches Denken und Handeln schaffen.” Er weist darauf hin, dass diese Welt von Werten und Sinn eine zeitlose Struktur ist, „stets hier und jetzt,” aus der „auch das geringste Mitglied einer Kultur etwas nehmen kann, was seinem Leben Würde und Kohärenz verleiht.”349 So dient etwa die legendäre Figur von George Washington als Fokus der Einheit für all die amerikanischen Werte, für die er gekämpft und die er in Ehren gehalten hat. Jeder Amerikaner kann sich zu jedem Zeitpunkt unserer Geschichte Inspiration aus seinem Beispiel holen. In ähnlicher Weise können Symbole und Erzählungen ein Ideal hochhalten, das der Gesellschaft einen bestimmten Stil und eine bestimmte Note verleihen kann, die sich in der Mode, den Sitten, der Kunst, der Architektur und sogar in der Kochkunst niederschlagen.

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346 Kristol, Two Cheers for Capitalism, 153.
347 Émile Durkheim, The Elementary Forms of the Religious Life, übers. von Joseph Ward Swain (London: George Allen and Unwin, 1915), 422.
348 Weaver, Ideas Have Consequences, 18.
349 Weaver, Visions of Order, 34.

 

Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft, von John Horvat.  Kapitel 48, Die Träume der Menschen

 

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Hinderlich können manchmal auch gewisse revolutionäre Schlagworte sein, die nicht selten sogar in den besten Kreisen als eine Art Dogma hingenommen werden.

Francisco Pradilla y Ortiz: Die Übergabe von Granada

 

A. „Die Gegenrevolution ist unzeitgemäß und deshalb steril”

Das immer wieder vorgebrachte, schädlichste Schlagwort behauptet, daß die Gegenrevolution in unseren Tagen nicht gedeihen kann, weil sie gegen den Zeitgeist gerichtet sei. Die Geschichte, bemerkt man, kann nicht rückgängig gemacht werden.

Nach diesem einzigartigen Prinzip dürfte es keinen katholischen Glauben geben, denn es ist wohl nicht zu leugnen, daß das Evangelium der Umgebung, in der unser Herr Jesus Christus und die Apostel predigten, radikal entgegengesetzt war. Genauso wenig gäbe es ein katholisches, romanisch-germanisches Spanien, denn man muß doch wohl von einem Wiedererstehen und damit auch von einer Rückkehr in die Vergangenheit sprechen, wenn man an die völlige Wiederherstellung der christlichen Größe Spaniens nach einer Zeitspanne von ganzen acht Jahrhunderten denkt, die sich zwischen Covadonga und dem Fall von Granada erstreckten. Selbst die den Revolutionären doch sonst so teure Renaissance war wenigstens unter manchen Gesichtspunkten die Rückkehr zu einem seit mehr als tausend Jahren fossilisierten kulturellen und künstlerischen Naturalismus. Die Geschichte kennt demnach sowohl das Vor als auch das Zurück auf den Straßen des Guten wie des Bösen.

 

“Nach welchem Kriterium wird der Befürworter der Ehescheidung als modern angesehen und der Verteidiger der Unauflöslichkeit der Ehe als altmodisch?”

Wenn die Revolution übrigens etwas als mit dem Zeitgeist im Einklang erklärt, so ist äußerste Vorsicht geboten, handelt es sich doch nicht selten um irgendeinen alten Zopf aus heidnischer Zeit, den sie wieder gesellschaftsfähig machen möchte. Was ist denn zum Beispiel so neu an Ehescheidung oder Freikörperkultur, an Tyrannei oder Demagogie, die in der antiken Welt allgemein verbreitet waren?

Nach welchem Kriterium wird der Befürworter der Ehescheidung als modern angesehen und der Verteidiger der Unauflöslichkeit der Ehe als altmodisch? Für die Revolution reimt sich „modern” mit allem, was dem Hochmut und der Gleichmacherei, der Genußsucht und dem Liberalismus freien Lauf läßt.

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Revolution und Gegenrevolution von Plinio Corrêa de Oliveira, VII. KAPITEL, #2.

 

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Gemälde von Toby Edward Rosenthal.

Dadurch, dass die Menschen Christus selbst als ihr perfektes Vorbild nahmen, diente diese Wirtschaft „im Zeichen des Kreuzes” auch der Verherrlichung Gottes, indem sie in den Menschen ein leidenschaftliches Streben nach Perfektion um ihrer selbst willen weckte.

Für den mittelalterlichen Menschen war das Streben nach Perfektion eine schwierige Aufgabe, nicht unähnlich einem Kreuzweg, der letztlich nicht zu materiellen Gewinnen, sondern zu Gott führt. Er glaubte daran, dass er Gott die Ehre geben konnte, indem er seine Schöpfung noch großartiger, noch schöner machte. Durch das Schaffen schöner Dinge lehrte der Handwerker der ganzen Gesellschaft, mit höchster Perfektion erzeugte Dinge als Hilfe zu einer größeren Gottesliebe zu sehen. Dies war der Grund, warum selbst die bescheidensten Gegenstände in der christlichen Zivilisation einen gewissen Glanz an sich haben – sie wurden nicht zuletzt mit dem Gedanken hergestellt, den Menschen die Herrlichkeit Gottes nahezubringen und ihnen dabei zu helfen, ihre Seelen zu Ihm zu erheben.

J.B. Filz’s Sohn ist ein traditionsreiches Parfumgeschäft und ehemaliger k.u.k. Hoflieferant im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt, am Graben 13. Das Geschäft befindet sich seit seiner Gründung im Jahr 1809 im Familienbesitz.

Die Handwerker machten sich an ihre mühsamen Aufgaben motiviert durch dieses höhere Ideal. „Der Arbeiter plagte sich nicht nur, um seine Nahrung zu verdienen,” schreibt Richard Weaver, „sondern auch, um dieses Ideal in seinem Werk verkörpert zu sehen.”360 So war etwa ein Parfüm-Hersteller von dem Wunsch motiviert, das beste Parfüm herzustellen. Die metaphysische Freude, die er dabei empfand, war so groß, dass er mehr Arbeit investierte und einen geringeren Lohn in Kauf nahm, um der Menschheit ein außergewöhnliches Parfüm hinterlassen zu können.

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360 Weaver, Ideas Have Consequences, 73.

Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft, von John Horvat. Kapitel 49.

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Das Gleichgewicht, nach dem wir suchen

Eine Mutter. Gemälde von George Goodwin Kilburne.

Es gibt eine zweite treibende Kraft, die der ersten als Gegengewicht dient, um sie daran zu hindern, in gefährliche Phantasien abzurutschen. Sie kommt aus der Erkenntnis, dass in unserem Exil hier auf der Erde nicht alles wunderbar ist; wir müssen uns der Welt anpassen, wie sie ist. Daher empfinden ausgeglichene Seelen eine wahre Begeisterung für den gesunden Menschenverstand, der uns hilft, mit der konkreten Wirklichkeit fertig zu werden. Diese praktische treibende Kraft hält die Phantasie im Zaum und bremst die ungezügelte Gier nach Neuheiten. Sie fordert eine realistische Bewertung der vorhandenen praktischen Möglichkeiten zum Aufbau einer realistischen Zukunft.

Keine dieser beiden treibenden Kräfte schließt die jeweils andere aus; vielmehr wird jede durch die andere inspiriert. Nur die harmonische Vereinigung beider Kräfte kann die großartige Vision, gepaart mit gesundem Menschenverstand, hervorbringen, die es den Heiligen gestattete, die konkreten Probleme des täglichen Lebens mit großer Weisheit zu lösen und über die erhabensten und kompliziertesten Fragen mit großer Demut nachzudenken.

Johann Lucas Hildebrandt, (1668 – 1745), war ein österreichischer Barockarchitekt. Er war einer der bedeutendsten Baumeister Mitteleuropas im Zeitalter des Barocks, der Prunkbauten und Kirchen entwarf und dessen Werk die Architektur des Habsburgerreiches im 18. Jahrhundert stark beeinflusste.

Auf diese Weise vermeiden wir die beiden Extreme – die der Phantasiewelten auf der einen und die der sozialistischen „Paradiese” auf der anderen Seite. Wie die beiden Flügel eines Vogels hoben diese beiden treibenden Kräfte die christliche Zivilisation zu ihrem höchsten Flug, hielten sie im Gleichgewicht und sorgten dafür, dass sie funktionierte. Historisch besteht der Schlüssel zum wahren Fortschritt darin, diese heikle Balance zu halten.354

Königin Bertha und die Spinnerinnen Gemälde von Albert Anker.

„Es ist keine Frage, dass die Kirche das Geistige und das Zeitliche, das Ideale und das Praktische in erstaunlichem Maße zu kombinieren wusste,” schreibt James Westfall Thompson. „Wenn ihr Haupt auch im Himmel war, so hatte sie doch immer ihre Füße fest auf dem Boden.”355

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354  siehe Siehe Plinio Corrêa de Oliveira, Sitzung der American Studies Commission am 13. Mai 1988, Corrêa de Oliveira Documents.

355 Thompson, Economic and Social History, 2:648.

 

Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft, von John Horvat. Kapitel 48.

 

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VII. Teil

fortsetzung

 

Heilige Jeanne d’Arc

Die Gnade einer großen Innigkeit zu Maria zu haben

Wir müssen also verstehen, dass es zwei Dinge gibt, um die wir die Muttergottes bitten sollen. In der Einsicht, dass wir schwache Menschen sind, dass wir keine Athleten des geistlichen Lebens sind, müssen wir sie darum bitten, dass sie uns in unserem Kummer, der uns zu schwer scheint, zu Hilfe kommt. Es ist eine ausgezeichnete Bitte und sie wird sie sehr oft erhören. Immer, wenn es im Maße der göttlichen Vorsehung möglich ist, uns zu Hilfe zu kommen, wird sie es tun. Wir müssen uns aber immer daran erinnern, dass wir ein gewisses Maß Schmerzen in vollem Umfang selbst tragen müssen. Wir selbst wissen nicht welches Maß das ist; aber sie weiß es. Wir müssen sie dann um Kraft bitten, es zu ertragen.   An diesem Punkt, am Gleichgewicht dieser beider Bitten, liegt die Vorsehung Mariens.

Stellen wir uns eine Person vor, die ihr tägliches Leben führt, das immer zwei unterschiedliche Aspekte hat. Es gibt Zeiten der gewöhnlichen Routine: Der Gang zur Schule oder zur Arbeit und zurück nach Hause, Aufgaben oder Vorlesungen vorbereiten, eine Verwandten besuchen und dergleichen. Es ist das gewöhnliche tägliche Getriebe. Neben diesen Unannehmlichkeiten eines jeden Tages gibt es aber einen anderen Aspekt des Lebens, nämlich den, in dem man mit der Last übergroßer Leiden ringen muss.

Nehmen wir an die Person weiß in beiden Situationen ihres geistlichen Lebens die Andacht des hl.

Ludwig wirklich und genau zu üben. In den kleinen Schwierigkeiten des täglichen Lebens wird sie sich daran erinnern, dass sie in Maria eine Mutter hat. Aber nicht nur ab und zu sondern in einer gewohnten und ständigen Weise. Wenn sie in Schwierigkeiten ist, wenn sie Probleme hat, seien sie auch noch so gering, wendet sie sich an Maria und bittet sie um Hilfe. In allen gängigen Lagen des Lebens, betet sie zur Muttergottes. Sie lebt in einer ständigen Innigkeit mit ihr, und bittet sie in allem um Hilfe. Bei Ratlosigkeit wird sie um den rechten Weg bitten. In großen Schwierigkeiten wird sie um Kraft bitten, um die Last der außergewöhnlichen Versuchungen ertragen zu können, und erhält so die Energie für Heldentaten, die das geistliche Leben vielmals von einem jeden von uns verlangt.

Wenn jemand all sein Tun in Vereinigung mit Maria und in ihren Meinungen aufzuopfern weiß, und beständig in allen Momenten sie um Hilfe bittet, wird sein geistlichen Leben wunderbar wachsen. Wenn ihn zum Beispiel Zerstreuung während einer Lektüre überfällt, Maria bitten, dass sie trotzdem daraus Früchte zieht. Sieht er auf der Straße jemand, der gerade eine Sünde begeht, dann für diese arme Seele beten. Das heißt, immer und dauerhaft Maria anrufen. Es gibt kein besseres Programm für das geistliche Leben. Doch es verlangt aber auch Überzeugung und große Willenskraft.

Maria, Allheilmittel für das geistliche Leben

Unter den eigentümlichen Prüfungen des geistlichen Lebens oder die aufgrund der Treue zur Heiligen Kirche uns auferlegt werden, gibt es eine, durch die wir durchmüssen: Es ist die Empfindung der seelischen Trockenheit, des Stillstandes, der anscheinenden Unbeweglichkeit aller Dinge. Jahraus, jahrein scheint das geistliche Leben nicht voranzukommen; im Apostolat konfrontiert man sich immer mit gleichen Problemen; etwas Schlimmes wird geschehen und man kann es verhindern; wieder was unvorhergesehenes kommt auf uns zu und wir können es abwenden; wieder eine Überraschung und man weint, weil man sie nicht hat verhindern können, doch man bleibt wachsam auf das Nächste, was kommen wird. In den ersten Momenten hat man das Gefühl einer Berg-und-Tal-Fahrt. Bei der ersten Runde amüsiert man sich, doch nach Jahren wird sie unerträglich und wir werden versucht Schluss zu machen mit diesem Auf und Ab, um endlich wie jedermann zu leben.

Dom Jean-Baptiste Chautard, autor von Die Seele allen Apostolats.

Wir fühlen uns wie auf einem Schiff mitten im Ozean, das da schaukelt und sich nicht fortbewegt, wie Ruderer einer Galeere, die den Eindruck haben, das trotz ihrer Anstrengungen, das Schiff nicht vorankommt. Es ist der Eindruck des Überdrusses, der Eintönigkeit, der uns manchmal im geistlichen Leben und in den Tätigkeiten des Apostolats überkommen kann.

Die Lösung in solchen Situationen ist die Zufluchtnahme zu Maria. Zu ihr zu beten, ist das Heilmittel für alles. Man pflegt zu sagen, es gebe keine Allheilmittel. Doch es gibt eine Ausnahme: Maria ist wirklich ein Allheilmittel, es sei denn, man will entschieden nicht gut sein. „Qui creavit te sine te, non salvabit te sine te“ — „Der dich geschaffen hat ohne dein Zutun, gibt dir die Rechtfertigung nicht ohne dein Zutun“, sagt der hl. Augustinus.

 

Diese wahre Andacht zu Maria gibt uns ungeahnte Möglichkeiten, im Dienste der Kirche

Nehmen wir zum Beispiel einen Gegenrevolutionären, der ernsthaft die Andacht praktiziert und einer Bildungsvorlesung beiwohnt. Das Verdienst zu dieser Versammlung gekommen zu sein, kehrt zurück in die Hände Mariens. Und da sie besser als jeder Mensch um die Interessen der Kirche weiß, wird dieses Verdienst gemäß ihrer Weisheit anwenden. So kann man, indem man zur Versammlung kommt, neben dem Apostolat auch noch auf einer anderen Ebene wunderbar Gutes tun.

Es kann gut sein, dass man unsichtbar, unwissend, an den höchsten Schicksalen der Kirche teilhat, am Kampf der Braut Christi gegen die Anti-Kirche, man weiß es nicht, aber Maria wird unsere Verdienste anwenden und Früchte hervorbringen, um die wir durchaus keine Ahnung haben. Dies ist das sicherste Vorgehen, den die Muttergottes vergeudet unsere Verdienste nicht. Sie legt sie an mit höchstmöglichster Weisheit. Wenn wir also unsere Verdienste der Weisheit Mariens anvertrauen, verwerten wir sie aufs höchste.

 

Die Hingabe als Sklave Mariens gibt unseren guten Werken unberechenbaren Wert

Welches ist aber nun das Verdienst unserer guten Werke? Die Teilnahme an einer Versammlung, zum Beispiel, hat ein gewisses Verdienst wenn sie aus Liebe zur Kirche getan wird und den Verzicht auf ein Vergnügen, auf Muße oder irgendeinen Zeitvertreib, um sich für sie einzusetzen.

Kampf gegen die LGBT-Bewegung in Warschau – Polen

Das Verdienst einer Handlung oder Tätigkeit besteht darin, dass sie wesentlich gut ist und in der innerlichen Gesinnung, mit der die Seele sie ausführt. Es sind Gesinnungen mit einer Mischung von Fehlern und guten Eigenschaften, die in einem jeden von uns vorhanden sind. Doch die Taten Mariens sind von hochwertigem Verdienst. Der hl. Ludwig sagt, dass Maria mehr Verdienst hat an einem Nadelstich beim Nähen eines Kleidungsstücks für das Jesuskind, als der hl. Laurentius, der sich auf einem Rost hat braten lassen, um sich für Christus zu bekennen.

Wir müssen uns immer vergegenwärtigen, dass unsere Taten, als Sklaven Mariens, in gewisser Weise an ihren Taten teilhaben. Sie ist es, die auf gewisser Weise in uns tätig ist. Daher erhält unsere Tat einen Wert, eine Tugend und eine Wirksamkeit von Maria, durch die sie viel mehr Wert hat, als wir es durch unsere eigenen Verdienste erreichen können.

Es gibt also kein wirkungsvolleres Leben und Handeln, als in dieser Andachtsmethode.

 

Die menschliche Boshaftigkeit und die Andacht zur Muttergottes

Nach der Erbsünde wurde der Mensch nicht nur schlecht, sondern sehr schlecht. Die Boshaftigkeit und das Elend des Menschen wurden zu unauslöschbaren Zügen seiner verdorbenen Natur.

Hiermit geben wir über uns sozusagen eine Zeugenaussage. Denn wahrhaftig ist unser Elend als Menschen dermaßen groß, dass, hätten wir davon echte Kenntnis, würden wir sehr leicht den Mut verlieren. Die Betrachtung über den Kontrast zwischen Gott und unserer Misere hat schon viele in Verwirrung gebracht. Da sie meinen seine Barmherzigkeit nicht zu verdienen, werden sie dazu verleitet, zu glauben, dass Gott von ihnen weniger verlangt.

Der Grund für diese in die Verzweiflung treibende Situation ist, dass sie ihre eigene so tragische Lage nicht in die Hände Mariens legen.

Wahrhaftig ist Gott alles das, was wir von ihm aus der Offenbarung wissen. Wir unsererseits wissen was wir sind, oder besser gesagt, was wir nicht sind. Doch zwischen uns und Jesus gibt es Maria. Die Vermittlung zwischen ihr und Jesus Christus, der der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, stellt ganz den Kanal wieder her, durch den wir unser Heil erreichen können, obgleich unserer Misere.

Wenn wir uns dies immer vergegenwärtigen, werden einerseits großen Frieden finden in der Erkennung unseres Elends und andererseits die Art die strengste Sittenlehre zu bejahen ohne der Verzweiflung nachzugeben, noch in eine jansenistische Haltung zu fallen. Maria ist die Bundeslade Gottes, auf deren Hinblick alles sein wahres Aussehen erhält und sich auf das geistliche Leben aufmunternd auswirkt.

 

(*) Plinio Corrêa de Oliveira zum 100. Geburtstag

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VII. Teil

von Plinio Corrêa de Oliveira

KAPITEL V

BEWEGGRÜNDE, DIE DIESE ANDACHT EMPFEHLEN

 

In den Absätzen 135 bis 182 behandelt der hl. Ludwig die Vorteile, die uns die Sklavenweihe an Maria bringen.

Die Andacht die der Heilige empfiehlt besteht in der vollständigen Hingabe unserer selbst an Maria in der Eigenschaft eines Sklaven. Sklaven, weil wir der Muttergottes mehr geben, als es ein Kind vermag. Die Beziehungen eines Kindes mit seiner Mutter sind viel innerlicher, näher, tiefer als die Beziehungen eines Sklaven zu seinem Herrn. Doch gegenüber dem Vater oder der Mutter verbleiben dem Kind noch gewisse Rechte. Dem Sklave verbleiben keine Rechte gegenüber seinem Herrn. Deshalb ist die Selbst-Entsagung, die jemand übt, der sich der Muttergottes als Sklave verspricht, in einem gewissen Sinn tiefgründiger, als dessen, der sich nur als Kind Mariens betrachtet.

Der hl. Ludwig will nicht die Bezeichnung Kind ausschließen, er möchte aber beide, Kind und Sklave, vereinigen. Weil wir uns als Kinder Mariens und in Sie eine unvergleichbare und vollendete Mutter erkennen, aber vor allem die Mutter Gottes, wollen wir der Eigenschaft eines Kindes, auch die des Sklaven hinzufügen.

Die Übung dieser Andacht bedeutet eine sehr tiefe Entsagung unsererseits. Nun aber, welche Vorteile bringt sie uns? Sie können in einigen Punkten zusammengefasst werden. Einige haben wir schon behandelt.

Wenn wir uns an die Rolle Mariens im Mystischen Leib Christi erinnern – sie ist es ja, die diesen Leib erzeugt – und welch große Fürbitterin und Mittlerin sie zwischen Jesus Christus und den Menschen ist, verstehen wir, dass alles was mehr mit ihr vereint ist, näher bei Gott ist.

Wir erwähnten schon den Vergleich bezüglich der Stellung Mariens im Leben der Gnade, nach dem sie zu Unserem Herrn steht, wie die Kristallscheibe vor der Heiligen Hostie in der Monstranz zur Eucharistie. Wir können nicht unterscheiden zwischen unserem Blick auf die Kristallscheibe und dem Blick auf das Allerheiligste. So können wir auch nicht die Andacht zu Maria von der Andacht zu Jesus trennen. Es ist ein und dasselbe. In der Andacht zu Maria haben wir das einzige und beste wahre Mittel, um Jesus auf bester Art zu verehren.

Wenn Maria der Kanal ist, wo kommt jemand hin, wenn er ihn benutzt? Bis zum Endpunkt. Sie ist der Weg, um dort anzukommen. Wer sich dieses Mittels in vollem Ausmaß bedient, kommt unweigerlich zum Ziel. Wenn sich eine Seele also in eine enge Vereinigung mit Maria begibt, der erreicht unbedingt eine innerliche Vereinigung mit Jesus.

In diesem Akt der Sklavenweihe geht es nicht darum eine innige Vereinigung mit Maria zu erreichen, sondern die innigste Vereinigung die je eine Kreatur in unseren Umständen erreichen kann. Das ist charakteristische Note der Andacht, die der hl. Ludwig empfiehlt. Man kann nicht sagen, dass eine Methode ist, die zu einer engen Vereinigung mit Maria führt. Es ist viel mehr als das. Je mehr wir auch unseren Geist anstrengen, wir werden keine Methode finden, die mehr als diese eine Kreatur mit Maria verbindet als diese.

Also wenn jemand

– als Kind Mariens sich außerdem ihr vollständig als Sklave weiht;

– vorhat, aus der katholischen Lehre alle Konsequenzen bezüglich der Gottesmutter zu ziehen;

– und so in einer ständigen und innigen Vereinigung mit Maria lebt,

dann erreicht er unbedingt den höchsten Grad der Andacht zu ihr, denn es scheint mir unvorstellbar, dass die Verehrung Mariens einen höchsten Grad der Vereinigung, der Innigkeit, der Vollkommenheit erreichen kann als diese vom hl. Ludwig empfohlene Andacht.

 

Die Belohnung des Sklaventums ist Unser Herr Jesus Christus

Die Frage nach dem Vorteil dieser Andacht, verlagert nun auf ein anderen Punkt: Was ist der Vorteil, die innigste Vereinigung mit Maria zu haben, die je eine Kreatur erreichen kann?

Die Antwort kommt von selbst: Man braucht bloß zu erwägen wer sie ist. Maria ist unsere Mutter und zugleich die Mutter Unseres Herrn Jesus Christus. Als unsere Mutter wendet sie uns gegenüber – wenn man es mit Respekt sagen darf – alle Vorurteile, Parteilichkeiten und parti pris  (vorgefasste Meinung) an, die eine gute Mutter für ihr Kind einsetzt. Mütterliche Liebe grenzt fast an Hinterlist. In etlichen Gelegenheiten, in denen der Teufel gezwungen wurde, von der Muttergottes zu reden, wirft er ihr gerade dies vor: Sie störe das Gesetz der Gerechtigkeit und begeht Betrügereien gegen die Hölle. Natürlich ist dies eine Lüge, eine Blasphemie. Maria ist es unmöglich etwas zu tun, was nur einen Tropfen Böses beinhaltet. Das bedeutet aber, dass ihre mütterliche Barmherzigkeit und ihr mütterlicher Schutz so weit geht, dass sie dem Undenkbaren und Unvorstellbaren nahe kommen.

Maria ist unvergleichbar in allem besser, als alle Mütter der Erde. Sie liebt uns mehr, als unsere leibliche Mutter uns liebt. Diese ist im Vergleich zu Maria, weiter von uns entfernt, als eine Gouvernante von uns entfernt ist im Vergleich zu unserer Mutter. Das ist das Verhältnis. Maria ist viel wahrhaftiger unsere Mutter, als unsere leibliche Mutter es ist. Nun, wir wissen, wie weit unsere Mutter für uns gehen würde, um uns Gutes zu tun. Zu was ist dann Maria für uns fähig?

Nie haben wir auf Erden gesehen, dass ein Kind aus äußerste Liebe zu seiner Mutter, allem entsagte und sich ihr als Sklave zur Verfügung stellte. Wohin kann die Liebe Mariens führen, wenn sie ein Kind sieht, das ihr gegenüber so handelt? Sie ist die vollendete Mutter; er ist der vollendete Sohn. Die Belohnung kann nur eine perfekte sein.

Doch im Fall des Mariensklaventums wird die Belohnung im nicht im Verhältnis sein, mit dem, was wir gegeben haben, sondern zum Edelmut derer, die es im Empfang nimmt. Es ist den Müttern eigen: Wenn ein Kind ihr ein Geschenk gibt, besteht ihre Freude nicht darin, den Preis des Geschenks zu erraten und mit gleichem Wert Dank zu erweisen. Die Mutterliebe erwidert, so klein und arm auch das Geschenk des Kindes ist, mit übergroßer Fülle. Das ist die Eigenschaft der mütterlichen Lieben.

Wenn wir also der Muttergottes alles schenken, was wir können, und nicht nur ein kleines Geschenk, mit was wird sie es erwidern? Mit einer solchen Fülle an Gnaden, an Wohltaten und Schutz, dass es einfach in der menschlichen Sprache keinen Begriff gibt, der das ausdrücken könnte.

Über die Vorteile der Andacht zu Maria, gibt es nur eines zu sagen: Die Größe der Belohnung verschlägt einen die Sprache. Was hat denn Maria am kostbarsten? Es ist Unseres Herr Jesus Christus selbst, die fleischgewordene Weisheit.

Es gibt einen ergreifenden Ausdruck dieser Erwiderung in einer Marienstatue, wo sie lächelnd das Jesuskind dem Betenden entgegenreicht. Welsch eine tiefe Bedeutung! In Wahrheit, die beste Belohnung, die sie uns geben kann, ist Unser Herr Jesus Christus, ihn lieben und mit ihm vereint sein,  ihm gehorchen. Dies ist eine Belohnung, die jede Sprache übersteigt.

Gott sagte dem Abraham von sich selbst: „Ego sum merces tua magna nimis“ – Ich bin dein sehr großer Lohn (Gen 1,15). Wer Gott als Lohn bekommt, bekommt einen übergroßen Lohn. Und das ist der erhabene Lohn der Weihe an Maria.

Statue von Ludwig Maria Grignion von Montfort im Vatikan.

Die Andacht zu Maria vermehrt unsere Tugenden und vereint uns immer mehr mit Unserem Herrn Jesus Christus

Mit der Hilfe der Gnade üben wir in unserer Seelenfamilie eine Reihe von Tugenden, durch die wir uns ganz besonders der katholischen Kirche, dem mystischen Leib Christi verbunden sein wollen: Die Tugend des katholischen Gefühls, der Reinheit, dem Opfersinn, die Selbstverleugnung, die Liebe zur Arbeit, zur Abtötung, zum Fleiß, die Liebe für das Methodische solang es nicht geometrisch ist usw. Wir wollen letztlich alle Tugenden erhalten, um uns mit Jesus zu vereinen.

Die beste Art diese Tugenden zu erhalten, ist die Übung der Andacht zu Maria. Sie wird uns diese Tugenden auf bester Weise, auf direktem Weg, am schnellsten und sichersten vermitteln, als jede andere Art.

In der Praxis geschieht das aber nicht nur durch das Anhören einer Erklärung vom hl. Ludwig oder durch das Lesen seiner Abhandlung und alles im Gedächtnis zu behalten, sondern durch einen gewissen Grad geistlichen Lebens, den wir zu erreichen wünschen. Dies besteht in der ernsthaften Kenntnis von dem, was wir von Maria erwarten können und wir ihr gegenüber zu handeln.

Die Verehrung Mariens verstärkt in uns die Fähigkeit zu leiden

Auf einer viel höheren Ebene, können wir von Maria erwarten, was ein Kind von seiner Mutter erwartet?

Es gibt zwei Arten von Müttern: Die guten und die halb-guten. Die halb-gute Mutter – die leider unter den lateinischen Völkern sehr häufig vorkommt – hat Mitleid mit ihrem Kind und will nicht, dass er leide. Sie paktiert mit allen Streichen des Kindes, mit all seinen Fehler in der Erfüllung seiner Pflichten, mit seiner Faulheit, sie befreit ihn von allen Regeln und schadet somit unbedingt seiner Charakterbildung.

Es gibt aber eine andere Sorte von Mutter, die, wegen der  Unbeständigkeit des Menschen, weiß, dass es kein anderes Mittel gibt, als zu leiden, leiden und viel zu leiden, um die Seele zu erweitern, zu heiligen und zu erheben. Sie weis, dass man leiden muss, um zu lernen, das man leiden muss, um im leben zu kämpfen, das man leiden muss, um zu leben, leiden in jeglicher Situation. Sie weiß, dass der Mensch etwas Wert ist, in dem Maße wie er leidet. Diese Mutter sorgt sich, um die Leiden ihrer Kinder zu lindern, im Maße des Möglichen und ihnen nicht schade. Doch jedes Maß an Leiden, das eine gute Erziehung verlangt, wird eine gute Mutter wollen, dass es ihr Kind erreicht. Sie beschränkt sich ihn im Leiden zu trösten, damit er Kraft und Mut aufbringe, zu leiden, was ihm zusteht. Sie will aber, dass er leide. Die Muttergottes handelt ebenso.

  Es wäre trügerisch, die Leben der Heiligen, die „Blumenlese“ Mariens zu lesen und einige außerordentliche Gnaden, die sie verleiht, einseitig zu betrachten. Zum Beispiel, der hl. Franz von Sales, am Höhepunkt seiner erbarmungslosen Prüfung bezüglich der qualvollen Frage der Prädestination, abgemagert und verzehrt, in großer geistlicher Trockenheit, wie mit einer procella tenebrarum in der Seele, nähert sich einer Marienfigur und betet das Memorare; sofort verziehen sich die dunklen Wolken und er spürt einen innerlichen Frieden und Ruhe; die seelische Krise war überwunden.

Solche Ereignisse gibt in großer Zahl und man verspürt einen tief erbauenden Eindruck, der sehr wirksam ist für das geistliche Leben. Man darf sich aber nicht einseitig sein.

Die Muttergottes lindert des Öfteren unsere geistlichen Prüfungen, wie eine gute Mutter das Leiden des Kindes in ein angebrachtes Maß lindert. Es gibt jedoch eine notwendige und nicht so kleine Grenze für jedes Leiden. Aus dieser befreit uns Maria nicht.

Man darf nicht denken, dass die Andacht zu Maria so etwas wie eine Art Morphium für das geistliche Leben ist, das man einmal einnimmt, und alle Schmerzen verfliegen. Nein – und der hl. Ludwig besteht darauf – Maria nimmt uns nicht das Gewicht des Kreuzes von der Schulter, sondern gibt uns Kraft, es zu tragen. Sie gibt uns Liebe zu Kreuz und zum Leiden. Dies ist die Frucht der wahren Andacht zu Maria.

 

fortgesetzt werden

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von Plinio Corrêa de Oliveira

Aus dem Flammengebet des Heiligen (*)

„Sende Priester, frei von irdischer Anhänglichkeit, losgeschält von allem, von Vater und Mutter, von Brüdern und Schwestern, ohne Eltern dem Fleische nach, ohne Freunde der Welt nach, ohne Güter, frei von Hindernissen, und selbst vom eigenen Willen.“

Selbstverständlich haben wir eine sehr genaue Vorstellung der Aufgaben der Priester; es wäre aber interessant, wenn wir ein genaues Wissen über unsere eigenen Aufgaben hätten. Wenn wir schon Sklaven Mariens sein wollen, ist es angebracht zu wissen, in welchen Grenzen und in welchem Maß dies, was der hl. Ludwig beschreibt, auch uns betreffen kann.

So sollten wir für Berufungen beten, die „frei sind, die in der Freiheit Gottes und Mariens leben, losgeschält von allem, ohne Vater, ohne Mutter, ohne Brüder, ohne Schwestern, ohne Verwandten dem Fleische nach, ohne Freunde der Welt nach“.

Das bedeutet, dass es sich nicht nur um Vater, Mutter, Bruder und Schwester handelt — was schon nicht wenig ist —, sondern keine Verbindung mit dem Gesamten dessen, was Welt, Gesellschaft bedeutet, mit der ihr eigenen Mentalität, ihrem Stil, ihrer Psychologie. Von all dem soll man losgeschält sein, aber so, dass jegliche Anhänglichkeit verbannt ist.

Stellen wir uns vor, auf einer einsamen Insel wäre das Reich Mariens etabliert worden. Es gäbe dort eine schöne Stadt, wo alles im Sinne und in der Art des Reiches Mariens abläuft. Wir würden dort wohnen, in der Abscheu aller Übel und der Zustände der gegenwärtigen Welt. Ein jeder stelle sich vor, dort leben zu können. Im ersten Moment wären wir bezaubert, begeistert, verzückt. Im zweiten Monat, würden wird alles normal finden. Im dritten würde der Eine oder Andere meinen, dass es wohl an der Zeit wäre, mit der Fähre wieder zurück zum Festland zu fahren.

 

Schreibtisch von Ludwig Maria Grignion von Montfort.

Gäbe es leider nicht den Einen oder Anderen, der einen Grund finden würde, um zurück zu fahren, weil im Unterbewusstsein ein gewisses Heimweh nach dem, was nicht das Reich Mariens ausmacht? Wir könnten uns vorstellen: Straßen mit wenig Menschen, langsame Bewegungen, sehr bedächtige, einsichtige, gehobene, tugendhafte Menschen mit würdigem und vornehmem Benehmen. Alles würde gemäß der Vernunft und eines gesunden Verstandes ablaufen. Würde das allen gefallen? Ich möchte glauben, der großen Mehrheit schon. Doch dem einen oder anderen möglicherweise nicht. Es wäre sehr gut eine Gewissenserforschung zu machen, um herauszubekommen, ob man zu der einen oder der anderen Gruppe gehören würde. Ich glaube, dies ist ein Punkt, in dem man die hier enthaltene Frage aufgreift und sich stellt: keine Anhänglichkeiten, keine Liebe zu den weltlichen Dingen und der Lage der Welt zu haben.

„Um Sklaven Deiner Liebe und Deines Willens bitte ich; um Männer nach Deinem Herzen, die nicht ihren eigenen Willen durchzusetzen suchen, der sie nur befleckt und hemmt, sondern in allem Deinen Willen tun und gleichwie David mit dem Stock des Kreuzes und der Schleuder des heiligen Rosenkranzes in der Hand, alle Deine Feinde niederschlagen: in baculo Cruce et in virga Virgine“ (Vgl. 1 Kön 17,40 und Ps 22,4).

Betrachten wir diese herrliche Verbindung, die der hl. Ludwig herstellt zwischen den Sklaven aus Liebe zu Gott, die ihren eigenen Willen nicht durchsetzen und doch die Feinde Gottes niederschlagen. Hier sieht man die Fruchtbarkeit des Gehorsams. Wer gehorsam ist, wer fügsam die Absichten der göttlichen Vorsehung befolgt, der zerschlägt die Feinde Gottes. Wer sich den Absichten Gottes nicht fügt, der besiegt nicht die Feinde Gottes.

Statue von Ludwig Maria Grignion von Montfort im Vatikan.

 

Was bedeutet hier, keinen eigene Willen haben? Es bedeutet, keinen anderen Willen haben, als nur den, den Gott von uns erwartet. Dass wir nur genau das wollen, was Gott von uns will. Keine schlechten, niedrigen Dinge wollen, sondern nur das, was recht, ordentlich, gemäß der Lehre der Kirche ist. Das bedeutet, keinen eigenen Willen haben. Wer so ist, wird die Feinde Gottes besiegen.

„Seelen, welche wie Wolken der Erde entrückt und erfüllt mit himmlischem Tau, ohne Hindernis überall hinfliegen nach dem Wehen des Heiligen Geistes.“

Das heißt, wer so ist, der ist Fruchtbar; er fliegt überall hin und lässt die Gnaden Gottes allerorten herabrieseln.

„Seelen, die immer für Dich zur Verfügung stehen, immer bereit, Dir zu gehorchen, immer lauschend auf die Stimme ihrer Vorgesetzten, wie Samuel: Praesto sum; immer bereit, hinzugehen und alles mit Dir und für Dich zu leiden, wie die Apostel.“

Das heißt Menschen, die bereit sind, alle Unannehmlichkeiten, jedes Opfer, alle Entsagungen, nicht nur die außergewöhnlichen, sondern die des alltäglichen Lebens, die kleinen und lästigen Dinge des Alltags auf sich zu nehmen. Muss ein Brief geschrieben werden, schreiben; muss man einem lästigen Mitmenschen zulächeln, lächeln; kommt ein ungelegener Telefonanruf, annehmen; trotz Müdigkeit früh aufstehen; und das alles zwei, drei, fünf Mal; kleine Ungerechtigkeiten hinnehmen usw. Das ist die Art des Gehorsams, der hier gelobt wird.

Grab von Ludwig Maria Grignion von Montfort.

 

„Diener der seligsten Jungfrau, die wie der hl. Dominikus, die leuchtende und brennende Fackel des heiligen Evangeliums im Munde und den heiligen Rosenkranz in der Hand, überallhin gehen, um zu bellen wie treue Hunde, um zu brennen wie Feuer und um die Finsternis der Welt zu erhellen wie die Sonne. Beglücke uns mit Männern, die durch eine wahre Andacht zu Maria, ohne Heuchelei und Wankelmut, mit Demut, Klugheit und Eifer überall, wohin sie kommen, der alten Schlange den Kopf zertreten.“

Wir sehen hier den versprochenen Sieg denen, die mit Maria vereint sind, die überall dieses Werk des Lichtes verrichten und den Kopf der Schlange zertreten werden.

„Damit so der Fluch sich erfülle, den Du gegen sie geschleudert hast: Inimicitias ponam inter te et mulierem, et semen tuum et semen ipsius : ipsa conteret caput tuum“ (Gen. 3,13).

Das heißt, der Fluch ist noch nicht völlig erfüllt und es ist nötig, dass er sich erfülle. Die Vollführer dieser Aufgabe werden eben die Sklaven Mariens sein. Als Sklaven Mariens dürfen wir erwarten, die Vollführer dieser Aufgabe zu sein.

 

(*) Freie Übersetzung der Aufzeichnung des Vortrags an ein nicht überliefertes Datum im Jahre 1964. – Plinio Corrêa de Oliveira zum 100. Geburtstag

Literatur von und über Louis-Marie Grignion de Montfort im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

 

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Er kann dies auf implizite, das heißt fast unbewußte Weise sein. Diesen Fall haben wir zum Beispiel bei einer Caritas-Schwester im Krankenhaus. Ihr Wirken ist unmittelbar auf die Heilung des Körpers und vor allem auf das Heil der Seele ausgerichtet.

 

Zusters van Liefde

 

Sie kann ihren Dienst tun, ohne auch nur die Begriffe Revolution und Gegenrevolution zu erwähnen. Unter ganz besonderen Umständen wäre es sogar denkbar, daß sie nicht einmal um das Vorhandensein von Revolution und Gegenrevolution weiß. Indem sie jedoch den Seelen Gutes tut, zwingt sie die Revolution in ihnen zum Rückzug, und damit arbeitet sie auch für die Gegenrevolution.

 

 

Revolution und Gegenrevolution von Plinio Corrêa de Oliveira, XII. KAPITEL, 8, A.

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Soweit jeder Katholik ein Apostel ist, ist er auch ein Gegenrevolutionär. Er kann dies aber auf verschiedene Weisen sein:

Kampf gegen die LGBT-Bewegung in Warschau – Polen

 

Revolution und Gegenrevolution von Plinio Corrêa de Oliveira, XII. KAPITEL, 8.

 

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Papst Johannes Paul II. erklärt in seiner Homilie in der Messe für Jugendliche und Studenten in Belo Horizonte, Brasilien, am 1.7.1980:

Luftwaffenhelfer des Bolschewiki Revolution.

 

„Ich lernte, daß ein junger Christ aufhört, jung zu sein und schon seit langem nicht mehr Christ ist, wenn er sich durch Doktrinen und Ideologien verführen läßt, die Haß und Gewalt predigen. …

 

Ich lernte, daß ein junger Mensch gefährlich alt zu werden beginnt, wenn er sich durch den so einfachen und bequemen Grundsatz, daß `das Ziel die Mittel rechtfertigt´, betrügen läßt und glaubt, daß die einzige Hoffnung auf eine Verbesserung der Umstände in der Gesellschaft darin besteht, den Haß und Kampf zwischen den sozialen Gruppen zu schüren, in der Utopie einer klassen­losen Gesellschaft, die sehr schnell wieder zur Her­ausbildung neuer Klassen führt “.[1]

 

[1] Insegnamenti di Giovanni Paolo II., Bd III, 2, Libreria Editrice Vaticana, 1980,S, 8

 

­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente V, #20.

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Huron Mokassin, c. 1830

Wenn ein solcher metaphysischer Geist alles durchdringt, wird die gesamte Gesellschaft unweigerlich an Qualität und vorzüglichen Leistungen wachsen. Ein Anwalt legt einen großartigen Schriftsatz oder ein Schuster einen wunderbaren Schuh vor – einfach aus Freude daran, etwas Schönes und Vortreffliches zu produzieren.

 

Foto von Wayne Miller, USA, 1955.

 

Der Künstler –  der auf eine solche Haltung ganz besonders sensibel reagiert – produziert sein Meisterwerk und stirbt zufrieden, auch wenn er dadurch nicht reich geworden ist. Selbst die bescheidensten unter den Menschen betreiben ihr Handwerk wie eine Kunst und werden zu Kennern und Liebhabern all dessen, was schön und wertvoll ist.

 

Lewis Mumford sagt dazu: „Der Zweck der Kunst ist es nie gewesen, Arbeit zu sparen, sondern die Arbeit zu lieben – eine bewusste Gestaltung von Funktion, Form, und symbolischer Ornamentierung, um das Leben schöner und interessanter zu machen.”[361] Es ist die Praxis dieser Kunst, die den Akt der Arbeit zu einem wahren Gebet macht.

 

Eine solche Wirtschaftsordnung setzte Anstrengung und Mühe voraus, aber Gott belohnte dieses Opfer, indem er der Gesellschaft eine Blüte all der Dinge verlieh, die wir als die besseren Dinge des Lebens betrachten: Bildung, Bücher, Kunst, Musik, Wohltätigkeit und Kultur. Alle diese Errungenschaften waren, wie Ballwin betont, „im Mittelalter geradezu die Pflastersteine eines Lebenswegs im Zeichen des Kreuzes.”[362]

 

*          *          *

 

Eine solche künstlerische Herangehensweise an die Produktion findet wenig Resonanz in einer industrialisierten Welt, die auf frenetische Maßlosigkeit und ungezügelten Verbrauch ausgerichtet ist. Und doch ist dieser Geist der Opferbereitschaft und Entsagung, der ein Leben im Zeichen des Kreuzes kennzeichnet, wie der Ballast eines Schiffs oder die Bremse eines Autos.

Er schafft Ordnung und verleiht der Wirtschaft Stabilität. Dank dieses Ballasts brachte die Wirtschaft „im Zeichen des Kreuzes” Ergebnisse hervor, die jenseits aller Erwartungen lagen und verlieh allen menschlichen Dingen Wert, Sinn und Schönheit. Mit Gottes Hilfe könnte sie dies wieder tun.

 

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[361] Mumford, Pentagon of Power, 2:137.

[362] Ballwin, Business in the Middle Ages, 68.

John Horvat II, Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft — wo wir waren, wie wir in unsere heutige Lage gekommen sind — und wohin wir uns nun wenden sollten. Kapitel 49, Pgs. 333-4.

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