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Der Adel und die Vergleichbaren Traditionellen Eliten

in den Ansprachen von Papst Pius XII

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Römische Ruine mit einem Propheten. Gemälde von Giovanni Paolo Pannini.

 

„Man kann also einen langen Zeitraum erblicken, während dessen die Menschen keine anders geartete Gesellschaft gekannt haben, als die Familie. …

 

Jede Familie hat ihre Religion, ihre Götter, ihr Priestertum. … Jede Familie hat auch ihr Eigen­tum, ihr Stück Erde, das ihr durch die Religion unabänderlich gehört. … Endlich hat jede Familie ihr Oberhaupt, so wie jede Nation ihren König. Sie hat ihre Gesetze, die ohne Zweifel nicht geschrieben sind, die aber im Herzen eines jeden Menschen durch den strengen, religiösen Glauben eingeprägt waren. Sie hat ihre innere Justiz, über welche keine andere steht, die man anrufen könnte. Alles, was dem Menschen zu seinem materiellen oder moralischen Leben notwendig ist, besitzt die Familie in sich.

Der römische Dichter Catullus liest vor seinen Freunden. Gemälde von Stepan Bakalovich

Nichts von außen ist ihr nötig; sie ist ein organisierter Staat, eine Gesellschaft, die sich genügt.

Aber diese Familie der alten Zeiten ist weit verschieden von den Verhältnissen der modernen Familie. In den großen Gesellschaftsgebilden teilt und verkleinert sich die Familie; besteht aber keine Gesellschaft, so entwickelt und verzweigt sie sich ohne Teilung. Die jüngeren Zweige vereinigen sich dann um den älteren und bleiben bei der einen Herde und dem gemeinschaftlichen Grabe.1

 

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1 Ebenda, S. 126-127.

 

Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VII, No. 3.

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Römische Familie

„In den schwierigen Problemen, die die Ge­schichte oftmals bietet, ist es ratsam, den Wort­schatz der Sprache, um alle Auskünfte, die er uns geben kann, zu befragen. Eine Institution ist manchmal durch das Wort erklärt, das sie bezeich­net. Das Wort gens ist genau dasselbe, wie das Wort genus, so zwar, daß man eines für das andere nehmen und ohne Unterschied gens Fabia und genus Fabium sagen konnte. Beide entsprechen dem Verbum gignere und dem Substantiv genitor, ebenso wie genos dem gennäs und dem goneus entspricht. All diese Worte tragen den Begriff der Abstammung in sich. … Man vergleiche all diese Worte mit denen, die wir die Gewohnheit haben, mit Familie zu übersetzen, das lateinische familia, das griechische oikos. Weder das eine noch das andere enthält in sich den Sinn der Abstammung oder der Verwandtschaft. Die wahre Bedeutung von familia ist Eigentum; es bezeichnet das Feld, das Haus, das Geld, die Sklaven und deshalb sagen die Zwölftafelgesetze, indem sie vom Erben spre­chen, familiam mancitor, er soll die Nachfolge­schaft antreten. Was oikos betrifft, so ist es klar, daß dieses Wort nichts anderes bezeichnen will, als Eigentum oder Behausung. Und doch sind dies die Worte, die wir gewöhnlich mit Familie übersetzen. Kann man annehmen, daß Worte, deren wesentli­cher Sinn der der Behausung oder des Eigentums ist, oftmals zur Bezeichnung einer Familie ange­wendet werden konnten, und daß andere Worte, deren innerer Sinn Abstammung Geburt, Vater­schaft bedeutet, niemals etwas anderes als eine künstliche Vereinigung bezeichneten? Sicherlich wäre das nicht übereinstimmend mit der Deutlich­keit und der Klarheit der alten Sprachen. Es ist unzweifelhaft, daß die Griechen und die Römer mit den Worten gens und genos die Vorstellung einer gemeinschaftlichen Abstammung verbanden. … Die gens wird uns allseitig als eine Vereinigung dargestellt, die durch die Bande der Geburt ge­schaffen ward. …

Gemälde von Stepan Bakalovich.

Aus alledem erhellt, daß die gens keine Vereini­gung von Familien, sondern die Familie selber war. Ob sie nun nur  aus einer einzigen Linie bestand, oder zahlreiche Zweige zählte, immer war es nur eine Familie.

 

Es ist überdies leicht, sich von der Bildung der antiken gens und ihrer Natur ein Bild zu machen, wenn man sich die alten Glaubenslehren und die alten Einrichtungen vergegenwärtigt, die wir früher erwähnt haben. Man wird sogar erkennen, daß die gens auf ganz natürlichem Wege der häus­lichen Religion und dem Privatrechte der alten Zeiten entspringt. … Als wir die Autorität der alten Familien behandelten, haben wir gesehen, daß die Söhne sich vom Vater nicht trennten; indem wir die Gebräuche, die in der Übertragung des väterlichen Erbteiles herrschten, studierten, haben wir konstatiert, daß die jüngeren Brüder sich dank dem Prinzipe des gemeinschaftlichen Besitzes von dem älteren Bruder nicht trennten. Herd, Grab, väterliches Erbteil, all dies war zu Anfang unteil­bar, und folglich auch die Familie. Die Zeit ver­mochte sie nicht zu zerteilen. Diese unteilbare Familie, die sich durch alle Zeiten hindurch ent­wickelte, ihren Kultus und ihren Namen von Jahrhundert zu Jahrhundert erhaltend, das war in Wirklichkeit die antike gens. Die gens war die Familie, aber die Familie, die sich die Einheit, die die Religion ihr befahl, erhalten und sich so weit entwickelt hat, als es das alte Privatrecht zuließ.

Mutter und ihre beiden Kinder. A.D. 250.

 

Nehmen wir das als wahr an, so wird alles klar, was die alten Schriftsteller uns von der gens erzäh­len. Die enge Verbindlichkeit, die wir eben zwi­schen ihren Gliedern bemerkten, hat nichts Über­raschendes mehr: Sie sind durch die Geburt ver­wandt“.1

 

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1 Ebenda, S. 118, 119, 121 und 122.

 

Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VII, No. 2.

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Fustel de Coulanges

Das Buch von Fustel de Coulanges,1 Der antike Staat, zuerst mit Begeisterung aufgenommen, war anschließend im Laufe der Zeit Gegenstand der Kritik. Trotzdem, auf Grund der diesem Werk zugrundeliegenden Gelehrsamkeit, der Klarheit der Gedanken und geradlinigen Ausführung, bewahrt Der antike Staat auch heute noch die Einschätzung als Meisterwerk seiner Art.

 

1. Das Wort pater unterscheidet sich von genitor und erscheint als Synonym für rex

„Dank der häuslichen Religion war die Familie ein kleiner, organisierter Körper, eine kleine Ge­sellschaft, die ihr Oberhaupt und ihre bestimmte Führung hatte. Nichts in unserer modernen Gesell­schaft kann uns von jener väterlichen Macht einen Begriff geben. In dieser alten Zeit war der Vater nicht nur der Starke, der beschützt und sich zu­gleich Gehorsam zu verschaffen imstande ist, er ist auch der Priester, der Erbe des Herdes, der Fort­setzer der Ahnen, der Stamm der Nachkommen, der Verwahrer der geheimnisvollen Gebräuche des Kultus und der geheimen Formen des Gebets. Alle Religion ruht auf ihm.

Der Name Pater, mit dem man ihn nennt, gibt uns eine sonderbare Belehrung. Das Wort ist im Griechischen, Lateinischen, im Sanskrit dasselbe, woraus man schon schließen kann, daβ dieses Wort aus einer Zeit stammt, wo die Vorfahren der Helle­nen, der Italer und der Hindu noch zusammen in Zentralasien lebten. Was bedeutete es damals den Menschen? Dies läßt sich leicht entnehmen, denn es hat diesen seinen ersten Sinn in den Formen der religiösen und juristischen Sprache bewahrt. … In der juristischen Sprache konnte der Titel eines Pater oder paterfamilias einem Manne beigelegt werden, der keine Kinder hatte, der nicht verheira­tet und gar nicht in dem Alter war, eine Heirat eingehen zu können. Der Begriff der Vaterschaft haftete also nicht an diesem Worte.

Die alte Sprache besaß noch ein anderes Wort, eine passende Bezeichnung für den Vater, das ebenso alt ist wie Pater und sich in der Sprache der Griechen, der Römer und der Hindu vorfindet (gânitar, gennetér, genitor). Das Wort pater hatte einen anderen Sinn. In der religiösen Sprache wandte man es auf alle Götter an; in der Rechtssprache nannte man paterfamilias jeden Mann, der unabhängig war und der eine Familie und ein Haus beherrschte. Die Dichter zeigen uns, daβ man es im Hinblick auf all jene anwandte, die man ehren wollte. Sklave und Klient nannten so ihren Herrn.  Rex, hänas, basileus waren ihm synonyme Wörter. Es schloß nicht etwa die Idee der Vaterschaft, wohl aber die der Macht, der Autorität, der majestätischen Würde in sich.

 

Sieg des Tullius Hostilius über Veji

Daß ein solches Wort auf den Familienvater angewandt wurde, mit der Zeit sogar sein gewöhn­lichster Name werden konnte, ist sicherlich eine bezeichnende Tatsache, die jedweden bedeutsam erscheinen wird, der die antiken Institutionen kennen lernen will. Die Geschichte dieses Wortes genügt, um uns einen Begriff der Macht zu geben, die der Vater lange Zeit in der Familie ausgeübt hat und des Gefühls der Verehrung, das man ihm zollte, wie einem Priester oder Herrscher.2

 

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1 Französischer Geschichtsschreiber (1830-1889), Professor für die Geschichte des Mittelalters an der Sorbonne und Direktor der École Normale Supérieure. Außer Der antike Staat schrieb er noch andere Bücher, von denen besonders das Werk Geschichte der Institutionen im antiken Frankreich hervorzuheben ist. In diesem Buch analysiert er die Entstehung des Feudalregimes in diesem Land.

 

2 Der Antike Staat. Studie über Kultus, Recht und Einrichtungen Griechenlands und Roms. Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, Graz, 1961, S, 97-98.

 

­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VII, No. 1.

 

 

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Frantz Funck-Brentano (1862-1947)

Über die Rolle der Familie beim Aufbau der feudalen Gesellschaftsordnung schreibt der Historiker Franz Funck-Brentano, Mitglied des Institut Français, in seinem berühmten Buch Das Ancien Régime:

„Niemand wird bestreiten, daß das Ancien Régime seine Wurzeln in der feudalen Gesellschaft hat. Der Feudalismus selbst entstand in jener er­staunlichen Epoche, die von der Mitte des 9. Jahr­hunderts bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts reicht, aus der französischen Familienorganisation, die ihre privaten Institutionen nach und nach auf das öffentliche Leben ausweitete.

Die Bulgaren besiegen die Byzantiner bei Anchialos 917

Im Laufe des 9. und 10. Jahrhunderts hatten eine ganze Reihe von Überfällen der Barbaren, Normannen, Hunnen und Sarazenen das Land in die Anarchie gestürzt, der alle Institutionen zum Opfer gefallen waren. Der Bauer verließ sein Ac­kerland, um der Gewalt zu entfliehen; das Volk versteckte sich in den tiefsten Wäldern und in un­zugänglichen Sümpfen oder suchte seine Zuflucht im Hochgebirge. Das Band, das die Bewohner eines Landes einte, war zerrissen; die überlieferten Bräuche und Gesetze waren zerschlagen; niemand mehr regierte die Gesellschaft.

Inmitten dieser Anarchie ging von der einzigen noch heilen organisierten Kraft, von der einzigen Zuflucht, die niemand hatte besiegen können, weil ihre Fundamente in das menschliche Herz hinein­reichten, nämlich von der Familie, der Wiederauf­bau der Gesellschaft aus.

Mitten im Sturm widersteht die Familie, gewinnt an Kraft und wächst zusammen. Da sie ihren Bedürfnissen nachkommen muß, schafft sie sich die für die landwirtschaftliche und mechanische Arbeit und für die bewaffnete Verteidigung notwendigen Organe. Da es den Staat nicht mehr gibt, tritt an seine Stelle die Familie. Das gesell­schaftliche Leben dreht sich um das Heim, das Leben in Gemeinschaft beschränkt sich auf den Hausbereich und die dazugehörigen Güter, be­schränkt sich auf die Hauswände und was darum herumliegt.

 

Es handelt sich um eine nachbarliche Gesell­schaftsform, die von den restlichen Gruppen des­selben Musters jedoch völlig abgeschnitten ist.

Der Bote

 

In den Anfangszeiten unserer Geschichte erin­nert der Familienchef an den früheren pater fami­lias. Er befehligt die Gruppen von Menschen, die sich um ihn herum bildet und seinen Namen trägt, er organisiert die gemeinsame Verteidigung und verteilt die Arbeit je nacht Fähigkeiten und Bedürf­nissen eines jeden. Er herrscht – so heißt es in den Texten jener Zeit – als absoluter Herr. Man nennt ihn ‚sire’. Seine Gemahlin, die Familienmutter, wird ‚Dame’, ‚Domina’, genannt.

 

So wurde die Familie für den Menschen zum Vaterland, und die lateinischen Texte jener Zeit nennen sie sogar so, ‚Patria’. Ihr gehört die zärtli­che Zuneigung des einzelnen um so mehr, als sie lebendig und konkret vor seinen Augen liegt. Ihre Macht, aber auch ihre Milde wird unmittelbar er­fahren als fester, geliebter Panzer, als notwendiger Schutz. Ohne Familie könnte der Mensch nicht bestehen.

Wilfried I. von Barcelona, genannt Wilfried der Haarige

Daraus entsteht das Gefühl der Solidarität, das die Familienmitglieder miteinander verbindet, und das sich unter dem Wirken einer souveränen Tra­dition weiterentwickelt und nach und nach genaue­re Umrisse annimmt“.1

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1 a.a.o., Americ.- Edit., Rio de Janeiro, 1936, Bd. I, S. l2-l4.

Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VIII.

 

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– die Erfahrung des zeitgenössischen Föderalismus

 

Viele Historiker sehen im Feudalismus, wie er in bestimmten Regionen Europas seinen Ausdruck gefunden hat, sowie in den parafeudalen Landbesitzverhältnissen anderer Regionen gefährliche, Uneinigkeit stiftende Faktoren.

 

Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, daß Autonomie an sich nicht unbedingt zur Uneinigkeit führen muß.

 

Heute sieht zum Beispiel niemand mehr in der Autonomie der Staaten, die auf dem amerikanischen Kontinent föderative Republiken bilden, einen Uneinigkeitsfaktor, man betrachtet sie vielmehr als ein agiles, plastisches, fruchtbares Beziehungsmuster intelligenten Zusammenlebens. Regionalismus bedeutet nicht immer Feindseligkeit untereinander oder gegenüber dem Ganzen, sondern auch harmonische Autonomie, Reichtum an geistigen und materiellen Gütern sowohl in den allen Regionen gemeinsamen Zügen als auch in den besonderen Merkmalen einer jeden einzelnen.

 

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, e.

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Diese Ordnung ist so zu verstehen, daß anfangs nichts neben oder gar gegen den König bestand, der in seiner Person das Volk und das Land verkörperte. Alles unterstand vielmehr dem Monarchen und war seinem Schutz und seiner höchsten Macht anvertraut, damit er das von Regionen und autonomen Orten gebildete organische Ganze, das damals die Nation ausmachte, als sein Hoheitsgebiet bewahrte.

Selbst in Zeiten des weitgehenden Verfalles der königlichen Macht wurde das einheitliche monarchische Prinzip nie in Frage gestellt. Die Sehnsucht nach königlicher und vielerorts sogar nach der kaiserlichen, die ganze Christenheit umfassenden karolingischen Einheit, blieb während des ganzen Mittelalters lebendig. In dem Maße, in dem die Könige also die Mittel zur Ausübung einer das ganze Land überziehenden und dem Gemeinwohl dienenden Macht zurückerlangten, übten sie diese auch effektiv aus.

Kaiser Charlemagne und Alcuin

 

Dieser langwierige Prozeß der Festlegung, Bestimmung und Organisation auf lokaler und später auch auf regionaler Ebene, dem dann ein ebenso schwieriger Prozeß einigender und zentralisierender nationaler Umgestaltung folgte, konnte nicht vonstatten gehen, ohne daß es hie und da zu übertriebenen, einseitig und leidenschaftlich vorgetragenen Ansprüchen von seiten jener gekommen wäre, die für eine gerechtfertigte Autonomie eintraten oder aber notwendig gewordene Neuordnungen vornahmen. Das alles führte im allgemeinen zu Lehenskriegen, die sich oft über längere Zeit hinzogen und manchmal sogar mit internationalen Konflikten verbunden waren.

Das war der schmerzliche Tribut, den die Menschen infolge der Erbsünde, ihrer gegenwärtigen Sünden, infolge der größeren Nachlässigkeit oder Nachsicht, mit der sie dem Bösen begegnen oder sich ihm sogar hingeben, zu zahlen hatten.

 

Ungeachtet all dieser Hindernisse läßt sich der tiefere Sinn der Geschichte des Feudalismus und des Adels nur dann verstehen, wenn man die obigen Erklärungen berücksichtigt. Denn es war ein langer Weg, auf dem sich die Gesellschaft und der Staat des Mittelalters gebildet haben.

König Karl X. von Frankreich

 

In Wirklichkeit entwickelten sich das Lehenswesen und seine Hierarchie unter den verschiedenen Umständen auf eine jeweils andere Art und Weise. So wurde dieser Entstehungsprozeß auch keineswegs von allen europäischen Ländern gleich durchlaufen, sondern nur von einigen. Beispielhaft gilt der beschriebene Vorgang jedoch für diese Herrschaftsform im ganzen.

 

Viele Züge dieses Systems erscheinen in der Geschichte mehrerer Reiche, die das Lehenswesen dennoch nie im vollen Wortsinn eingeführt haben. Als besonders interessante Beispiele wären hier die beiden iberischen Nationen, Portugal und Spanien, zu nennen.[1]

 

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[1] Vgl. z. B. JOSÉ MATTOSO,  A Nobreza Medieval Portuguesa, Lissabon 1981, S. 27f; Enciclopédia Universal Ilustrada, Espasa-Calpe, Bd. XXI, S. 955 u. 958, Bd. XXIII, S. 1139.

 

Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, d.

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 – das regionale Gemeinwohl – der Herr einer ganzen Region

 

Angesichts der veränderten Gegebenheiten konnten die Menschen es wagen, ihren Blick, ihre Gedanken und ihre Tätigkeit auf immer weitere Gebiete auszudehnen. So bildeten sich nach und nach Regionen heraus, die oft von unterschiedlichen lokalen Faktoren geprägt waren, wie etwa geographischen Besonderheiten, militärischen Bedürfnissen, Geschäftsinteressen, Zustrom der Pilger zu den wichtigsten Heiligtümern, die sich oft in den entlegendsten Gebieten befanden. Daneben entstanden berühmte Hochschulen, die eine große Anzahl von Studenten anzogen, und angesehene Messestädte, in denen Jahr um Jahr die Kaufleute zusammenströmten.

 

Kennzeichnend für die einzelnen Regionen wurden auch besondere psychologische Verwandtschaften, die sich aus den verschiedensten Faktoren ergaben: die Tradition gemeinsamer, oft lang andauernder Kämpfe gegen einen Gegner von außen; Ähnlichkeiten in Sprache, Sitten, künstlerischem Ausdruck usw.

 

Auf diese Weise umfaßte ein regionales Gemeinwohl die verschiedenen, mehr örtlich fixierten Gemeinwohle und erreichte damit eine höhere, edlere Stufe.

 

Normalerweise wurde die Sorge um das regionale Gemeinwohl einem Herrn anvertraut, dem der größte Landbesitz gehörte und der, da er die größte Macht und Repräsentativität in der Region besaß, auch in der Lage war, die verschiedenen Teilgebiete zu einem Ganzen zu verschmelzen, ohne deshalb die jeweilige Autonomie beschränken zu müssen. Dies alles diente sowohl Kriegszwecken als auch friedlichen Unternehmungen.

 

Der Herr der Region wurde damit als Abbild des Königs in seiner Region, so, wie dies auch der einfache Großgrundbesitzer auf beschränkter örtlicher Ebene war, mit einer Aufgabe betraut, die ihm allerdings eine Reihe von wesentlich edleren Rechten und Pflichten verlieh.

 

Der Feudalherr, d. h. der edle Landeigentümer, an dessen Eigentumsrecht kraft eines – der heutigen Erbleihe ähnlichen – Bandes eine große Zahl von Beschäftigten teilhatte, schuldete seinem jeweiligen Lehnsherrn einen Lehnsdienst, der dem vergleichbar war, wenn auch nicht identisch, den dieser wiederum dem König zu leisten hatte.

 

So bildete sich an der Spitze der Gesellschaftspyramide langsam eine adelige Rangordnung heraus.

 

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, c.

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Auf diese Weise bildete sich die Adelsklasse als eine untergeordnete Teilhabe an der königlichen Macht heraus.

Das bereits Gesagte zusammenfassend, kann man sagen, daß damals dieser Klasse das private Gemeinwohl anvertraut war, das in der Bewahrung und Förderung der Land- und Viehwirtschaft bestand, von der sowohl die Adeligen als auch das gemeine Volk lebten. Anvertraut war dieser Klasse aber auch das erhabenere, universellere und daher seinem Wesen nach edle öffentliche Gemeinwohl, das es an Stelle des Königs in dem jeweiligen Gebiet zu pflegen galt. Schließlich hatte der Adel auch einen gewissen Anteil an der zentralen Macht des Monarchen selbst, denn in vielen Fällen waren die höheren Adeligen gewöhnlich auch Ratgeber der Könige. Auch die zur Regierung des Landes unabdingbaren Ämter eines Staatsministers, Botschafters oder Feldherrn wurden größtenteils von Adeligen bekleidet. Die Verbindung zwischen hohem öffentlichen Amt und Adelsstand war bald so eng, daß selbst in Fällen, in denen das Gemeinwohl einen Amtsinhaber aus dem Volk verlangte, diesem vom König ein Adelstitel verliehen wurde, der ihn, und oft auch seine Nachkommen, in den Adelsstand erhob.

Dem Landeigentümer, den die Umstände zu einer solch höheren Aufgabe als der reinen Lebensmittelbeschaffung berufen hatten, kam also in Krieg und Frieden die Sorge um die salus publica zu, und das bedeutete normalerweise die Ausübung der Regierungsgewalt innerhalb eines beschränkten Gebietes. Er wurde damit ipso facto in ein höheres Verhältnis versetzt, das ihn zu einer Art Miniaturbild des Königs machte. Seine Aufgabe ließ ihn so zum wesenhaften Teilhaber an der erhabenen Aufgabe des Königs selbst werden.

 

Die Gestalt des edlen Landherrn entstand somit spontan aus den gegebenen Umständen.

 

Die ihm zugefallene private und edle Aufgabe erfuhr nach und nach eine Erweiterung, als die Lage im christlichen Europa weniger besorgniserregend wurde und mit dem Rückgang der Gefahr von außen längere Friedensperioden im Land herrschten. Immer neue Aufgaben gesellten sich zu den alten.

 

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, b.

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Im Kontext dieses Bildes kann man besser erkennen, was Adel bedeutet, diese Klasse, die im Gegensatz zu einigen anderen nicht nur adelige Züge trägt, sondern voll und ganz adelig ist; sie ist der Adel schlechthin.

 

Ein paar Worte zum historischen Ursprung des Adels sollen diese Erklärung verkürzen.

 

a) Die Klasse der Landeigentümer bildet sich als Militäradel und als politische Autorität

 

Als das herrliche Reich der Karolinger in Trümmern lag, fielen über diese Trümmer – in immer neuen verheerenden Wellen – die Barbaren, die Normannen, die Ungarn und die Sarazenen her. Da die von allen Seiten bedrängte Bevölkerung gegen das über sie hereinbrechende Unheil nicht mehr allein bei dem bereits äußerst geschwächten zentralen Königtum ihre Zuflucht suchen konnte, wandte sie sich naturgemäß an die jeweiligen Landeigentümer und suchte bei diesen Führung und Regierung in ihrer unhaltbaren Lage. Die Landbesitzer kamen der Bitte um Hilfe nach und errichteten Festungen für sich und die Ihrigen.

Wenn wir von „Ihrigen“ sprechen, so müssen wir uns dem Geist jener Zeit entsprechend nicht nur die Familienangehörigen vorstellen, sondern die ganze herrschaftliche Gemeinschaft, zu der die Hausdienerschaft und die Handwerker mit ihren auf den Ländereien des Besitzers wohnenden Familien zählten. Allen boten die Festungen, die sich im Laufe der Zeit in stolze Schlösser verwandelten, die wir heute noch in großer Zahl bewundern können, Schutz, Nahrung, religiöse Betreuung und militärische Führung. Im Bereich der Burgen war oft sogar Platz für Hab und Gut und für das Vieh, das die Bauernfamilien so vor der Gier der Eindringlinge zu retten vermochten.

 

Der Landeigentümer und seine Angehörigen stellten sich als erste zum Kampf. Ihre Aufgabe war es, das Kommando zu führen, in den vordersten Reihen zu kämpfen, die gefährlichsten Offensiven anzuführen und bei der Verteidigung den härtesten Widerstand zu leisten.

 

So wurde aus dem Gutsbesitzer auch ein militärischer Anführer und Held.

 

In Friedenszeiten verwandelten sich diese Umstände in politische Macht über die anliegenden Ländereien, und aus dem Gutsbesitzer wurde ein Herr, ein Dominus im eigentlichen Sinn des Wortes, dem auch die Aufgaben eines Gesetzgebers und Richters zustanden. Als solcher wurde er zum Bindeglied mit dem König.

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­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, a.

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Der begeisterte Empfang des Grafen von Artois und zukünftigen König Karl X. bei seiner Heimkehr aus dem Exil zeigt auf klare Weise die Zuneigung, die das Volk den Repräsentanten der alten legitimen und väterlichen Dynastien entgegenbrachte.

König Karl X. von Frankreich

So ist das Ereignis von dem zeitgenössischen Historiker Georges Bordonove beschrieben:

Monsieur [1] zog feierlich  am 10. April 1814 durch das Tor Saint-Denis in Paris ein. Der Baron von Frenilly bezeugt: `Weder Fenster noch Dächer reichten aus, um die begeisterte Menge aufzunehmen, die sich heiser schrie. Alles war mit Fahnen, Vorhängen, Teppichen und Blumen geschmückt, und alle Menschen schwenk­ten Tücher. Es war ein rührendes Schauspiel.’

 

Porte Saint-Denis. Foto von Alec.

Es war ein herrliches Wetter. Die Aprilsonne beschien die Menge von weißen Fahnen, Blumen und lachenden Gesichtern… Kinder und junge Leute klammerten sich an die Fenstergitter, andere, mutige, drängten sich auf den Dächern, schwenkten ihre Hüte. Trommelwirbel ertönte. Pferde tummelten sich auf dem Pflaster. Von allen Seiten ertönten die Rufe: Vive le Roi! Vive Mon­sieur! Beim Näherkommen zum Stadtzentrum von Paris erhöhte sich die Freude, und die Begeiste­rung wurde zum Delirium. Monsieur war wirklich ein schöner Mann! Seine Erscheinung war, trotz seiner 57 Jahre, eindrucksvoll! Seine blaue Uniform, ornamentiert und mit silbernen Achsel­klappen, stand ihm so gut! Er ritt mit solcher Eleganz das wunderschöne, weiße Pferd, das man ihm angeboten hatte! Sein Blick war so stolz und gleichzeitig so voller Güte! Er dankte für die Hoch­rufe auf so liebenswürdige Art! …

 

König Karl X. von Frankreich im Krönungsornat.

Seit so langer Zeit hatte man keinen wirklichen Prinzen gesehen, bezaubernd und ein wirklicher Kavalier! So näherte er sich Notre-Dame.[.. Monsieur erlaubte der Menge, sich ihm zu nähern, seine Stiefel zu berühren, die Steigbügel und den Hals seines Pferdes. Die Kühnheit gefiel. Die Marschälle des Reiches folgten ihm. Einige erschienen vor ihm mit der dreifarbigen Kokarde. Andere verbargen ihre Feindseligkeit nicht. Alle waren darauf bedacht, ihre Posten zu behalten. Monsieur begrüßte sie. Nach und nach ließen auch die Marschälle sich von der allgemeinen Begei­sterung mitreißen. Die Bewegung, die Rufe der be­geisterten Menge verwirrten sie. Sie verstanden nicht, warum die Pariser sich derart für diesen Prinzen begeisterten, ein Unbekannter für sie, noch bis am Vortag. Ein geheimnisvoller Funke hatte ihre Herzen elektrisiert. Monsieur hatte ihn entzündet. Er besaß die Fähigkeit, Gefallen zu erregen, nicht nur die Masse, sondern auch die einzelnen Menschen zu erobern; heute würden wir das Charisma nennen. Er entsprach vollständig der Vorstellung, die man sich von einem Prinzen machte, sein Benehmen war so einfach und doch von höchster Würde, die man nicht lernen, nur erben kann …

Nur schwer bahnte er sich den Weg zu Notre­ Dame, wo ein Te Deum geplant war. Die Ereignisse überstürzten sich derart, daß keine Zeit mehr war, die Kathedrale zu schmücken. Man sah, daß er niederkniete und inbrünstig betete. Er dankte der Vorsehung dafür, daß sie ihm das Glück gewährt hatte, Frank­reich wieder zum Lilienthron zurückzubringen“.2

Möglich ist es, daß der Funke, der sich an der Begeisterung der Pariser über die Rückkehr der legitimen Monarchie entzündete, dadurch ent­stand, daß sie das damals allgemeine Gefühl teilten, welches Talleyrand in den Schlußworten des Briefes, den er an den künftigen Karl X. aus Anlaß der ersten Abdankung Napoleons sandte, so meisterhaft deutlich machte: „Nous avons assez de gloire, Monseigneur, mais venez, venez nous rendre l’honneur“ [Wir haben mehr als genug Ruhm, aber kommen Sie, Monseigneur, kommen Sie, uns die Ehre wiederzugeben].

 

1 So wurde der jüngere Bruder des Königs benannt. Der Graf von Artois war Bruder des Königs Ludwig XVIII.

2 Les Rois qui ont fait la France – Charles X, Ed. Pygmalion, Paris, 1990, S. 121-123

­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente X, #2.

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Beleuchtet von Jean Poyer

Dies ist das Geheimnis der Gesellschaft „im Zeichen des Kreuzes.” Mit derselben Entschlossenheit nahm der mittelalterliche Mensch sein eigenes Leiden auf sich, und ganz besonders die schwersten und unerträglichsten Aspekte seiner Situation. Auf den mittelalterlichen Bildern und Glasmalereien ist das häufig zu sehen – jeder ist mit seinem Handwerk beschäftigt, jeder arbeitet fleißig, doch ohne Hast, Angst oder Trägheit. Jeder trägt sein Kreuz, diesen schwersten Teil unseres irdischen Lebens, freudig und ohne zu murren, denn sein Vorbild ist Christus, der für uns alle so unendlich viel mehr auf sich genommen hat.

Sommer. Gemälde von Jean-François Millet.

„Auf diese Weise sind alle individuellen Leiden nur der Schatten des göttlichen Leidens, und alle Tugenden nur eine teilweise Verwirklichung des absoluten Guten,” wie Huizinga sagt.368 Das Ergebnis dieser mutigen und entschlossenen Annahme des Leidens war, dass jeder Mensch für sich selbst einen Weg suchen und finden konnte, Christus nachzuahmen, mit dem Ziel, die Vollkommenheit und Heiligung zu erreichen. Diese Perfektion kam dann in der Qualität seiner Arbeit, seiner Meisterwerke und seiner Monumente gut zum Ausdruck.

Holzschnitzer von Oberammergau. Gemälde von Toby Edward Rosenthal.

Wie weit sind solche Überlegungen von dem entfernt, was die Menschen von heute bewegt! Sie suchen flüchtiges und leichtes Glück, fliehen Schmerz und Not, verlieren sich in hysterischer Kurzweil und versuchen ständig, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. In ihrer Blindheit können sie Christus und seine göttliche Geradlinigkeit nicht mehr sehen und ihm auch nicht mehr auf dem schmerzvollen Weg des Kreuzes folgen.

 

Und doch war es diese Perspektive, die die Blütezeit des Mittelalters hervorbrachte. Der mittelalterliche Mensch hatte das Mittelalter nicht geplant; er bemühte sich nur, so zu sein wie Jesus Christus und aus der Umsetzung dieses Bestrebens ging das Mittelalter hervor und entfaltete sich zu voller Blüte.

Jarviewalk and the Festival of Colors 2012. Foto von MarkEsguerra.

 

Dies ist das Geheimnis des Mittelalters — und es ist auch unser Geheimnis. Hätten wir eine ähnlich lebendige und liebevolle Beziehung zu Jesus Christus, dann würden wir nach dem streben, wonach die Menschen des Mittelalters strebten und könnten das erreichen, was sie erreichten.

368 ebd., 206.

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Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft — wo wir waren, wie wir in unsere heutige Lage gekommen sind — und wohin wir uns nun wenden sollten, von John Horvat II. Kapitel 50

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Der Sturm naht

Der Sturm naht. Jeder von uns hat eine Aufgabe zu erfüllen. Auf der persönlichen Ebene sollten wir nach Möglichkeiten suchen, uns von der frenetischen Maßlosigkeit zu befreien und – als Vorbereitung auf die kommende Krise – einen organischen und gemäßigten Lebensstil zu entwickeln.

25 February 2022, London.

 

Noch wichtiger ist es jedoch, über unser persönliches Leben hinaus die allgemeine Wirkung des Sturms auf die Gesellschaft zu verstehen und Teil des Kreuzzugs an Ideen und Prinzipien zu werden, der uns allen erlaubt, uns nach unseren jeweiligen Möglichkeiten an der großen Debatte zu beteiligen, die unseren Kurs bestimmen wird.

 

26 February 2022, London

Am wichtigsten aber ist unsere Bereitschaft, für unser Vaterland Opfer zu bringen und uns in dieser Stunde der Not um das Banner einer Rückkehr zur Ordnung zu scharen. Im Vertrauen auf die Vorsehung können auch wir uns die Worte von George Washington zu eigen machen, der einst angesichts einer großen und unvermeidbaren Krise folgendes erklärte: „Lassen Sie uns ein Banner erheben, unter dem die Klugen und Anständigen Zuflucht nehmen können. Die Ereignisse selbst liegen in Gottes Hand.”370

 

370 Spalding and Garrity, A Sacred Union of Citizens, 27.

 

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Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft — wo wir waren, wie wir in unsere heutige Lage gekommen sind — und wohin wir uns nun wenden sollten, von John Horvat II. Kapitel 51

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1. Der Empfang für Kaiser Franz I. in Wien nach dem Abzug der napoleonischen Truppen

 

Der väterliche Charakter der mittelalterlichen Monarchie wurde weitgehend von den Herrschern des Hauses Habsburg bis zu ihrem Thronverlust im Jahre 1918 bewahrt.

Kaisers Franz I.

 

Der Herzlichkeit dieses Charakters verleiht die Rede deutlichen Ausdruck, die der Bürgermeister von Wien gehalten hat, als er kurz nach der Niederlage bei Wagram (1809) Kaiser Franz I. empfing. Für einen Leser, der vielleicht vom Geiste des Klassenkampfes durchdrungen ist, könnte diese Rede eher einem Märchenbuch entstammen, als einem geschichtlichen Ereignis.

 

Der Wortlaut dieser Rede wird von einem unbestreitbar korrekten Berichterstatter, dem Historiker Prof. Dr. Johann Baptist von Weiß (1820-1899) wiedergegeben:

 

„Die Anhänglichkeit [der Wiener] zeigte sich am feurigsten beim Empfang des Kaisers Franz I. nach dem verheerenden Krieg beim Abzug der Franzosen aus Wien am 20. November 1809, nach einem drückenden Aufenthalt im Lande von sechs Monaten und sieben Tagen. …

Am 16. November zogen österreichische Truppen wieder in Wien ein, am 27. November kam der Kaiser um vier Uhr nachmittags. Schon am frühen Morgen zogen Tausende und Tausende hinaus gegen Simmering, den geliebten Kaiser zu empfangen. Ganz Wien war auf den Beinen, Kopf an Kopf harrten sie wie Kinder auf den Anblick des teuren Vaters. Endlich um vier Uhr erschien er ohne jede Leibwache, in offener Kalesche in der Uniform seines Husarenregimentes, den Oberst­hofmeister Grafen Wrbna an seiner Seite. Der Boden, die Luft schienen zu zittern vom Jubelruf. `Willkommen unser Vater!’ Das Schwenken der Tücher wollte kein Ende nehmen.

 

Schlacht bei Wagram. Gemälde von Emil Adam

Der Bürgermeister redete ihn an: ‚Geliebter Fürst! Wenn ein Volk im Kampf mit dem Unglück, leidend in mannigfacher Art, nur der Leiden seines Fürsten gedenkt, dann ruht die Liebe auf tiefem Grunde des Gefühls, nie vergänglich und fest. – Wir sind dieses Volk! Als unsere Söhne dahinsanken im blutigen Streite, als zerstörende Gewalt glühender Kugeln unsere Häuser stürzte, als die Grundfesten Wiens erbebten vom Donner der Schlachten, dachten wir Dein, Fürst und Vater, da dachten wir Dein in stiller Liebe. Denn Du hast diesen Krieg nicht gewollt. Nur das Verhängnis der Zeiten drang Dir ihn auf. Du hast das Beste gewollt. Der Urheber unserer Leiden warst Du nicht. Wir wissen es, daß Du uns liebst; wir wissen es, daß unser Glück Dein hei­liges, festes Wollen ist. Wir haben ihn oft empfun­den, den Segen Deiner väterlichen Milde. Be­zeichnet hast Du Deine Wiederkehr mit neuer Wohltat. Sei darum, väterlicher Fürst, in unserer Mitte mit unveränderter Liebe gegrüßt! Wohl hat der unglückliche Erfolg des Krieges Dir einen Teil der Untertanen geraubt. Doch vergiß den Schmerz Deines Verlustes im engeren Verein Deiner Treuen. Nicht die Zahl, nur der feste, andauernde Wille, die alles bindende Liebe sind der Throne heilige Stützen. Und von diesem Geiste sind wir alle beseelt. – Wir wollen Dir ersetzen, was Du verloren! Wir wollen bleiben unseres Vaterlandes wert; denn kein Österrei­cher verläßt seinen Fürsten, wenn es gilt. – Mögen die Mauern, die Deine Burg umgeben, in Trümmer zerfallen, die festeste Burg sind die Herzen Deines Volkes’.

 

Einen wärmeren Empfang hat wohl kein Monarch erhalten. Franz konnte nur im Schritt fahren. Das Volk küßte ihm die Hände, die Kleider, die Pferde. Bei der Burg angelangt, trug es ihn die breite Treppe empor. Am Abend waren die Stadt und die Vorstädte glänzend beleuchtet.“1

 

1 Lehrbuch der Weltgeschichte von Prof. Dr. Johann. Baptist. von Weiß. Verlags-Buchhandlung ,Styria’. Graz, 1898, Bd. X, S. 94-95.

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­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente X, #1.

 

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