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Der Adel und die Vergleichbaren Traditionellen Eliten

in den Ansprachen von Papst Pius XII

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„Die Tribus, die Familie, so wie die Phratrie waren zu einer unabhängigen Körperschaft gewor­den, weil sie einen besonderen Kult hatten, von dem der Fremde ausgeschlossen war. Einmal ge­bildet, ließ sie keine neue Familie mehr zu. Zwei Tribus konnten nicht mehr zu einer verschmelzen; ihre Religion widersetzte sich dagegen. Aber so wie sich einige Phratrien zu einer Tribus vereinten, so konnten sich auch einige Tribus vereinigen, vorausgesetzt, daß sie ihre Kulte gegenseitig ehrten. Am Tage, wo diese Vereinigung stattfand, entstand der städtische Staat. Es ist von geringer Bedeutung, die Ursache zu suchen, die mehrere nachbarliche Tribus bewog, sich zu vereinigen. Bald geschah die Vereinigung freiwillig, bald wurde sie durch die höhere Kraft einer Tribus oder durch den mächtigen Willen eines Menschen her­beigeführt. Sicher ist aber, daß das Band dieser netten Vereinigung wieder ein Kult war.

Antikkens Rom. Gemälde von Wenceslas Hollar

Die Tribus, die sich zur Bildung einer Stadt vereinig­ten, unterließen es nie, ein heiliges Feuer anzu­zünden und sich eine gemeinsame Religion zu geben. So hat sich die menschliche Gesellschaft in dieser Rasse nicht nach Art eines Kreises vergrößert, der sich nach und nacht erweitert und immer weitere Verbreitung findet. Ganz im Ge­genteile haben sich kleine Gruppen, die schon lange vorher bestanden, zusammen getan. Mehrere Familien haben die Phratrie gebildet, mehrere Phratrien die Tribus, mehrere Tribus die Stadt. Familie, Phratrie, Tribus, Stadt sind Gesell­schaftsgebilde, die einander genau gleichen und die durch eine Reihe von Verbindungen, eines aus dem anderen, entstanden. Es muß sogar bemerkt werden, daß je nachdem sich diese verschiedenen Gruppen untereinander vereinigten, keine von ihnen trotzdem ihre Individualität, ihre Unabhän­gigkeit einbüßte.

 

Wenn sich auch mehrere Familien in einer Phratrie vereinigt hatten, blieb doch jede so, wie sie zur Zeit ihres Alleinseins gewesen war, nichts wurde in ihr geändert, weder ihr Kult, noch ihr Priestertum, noch ihr Eigentumsrecht, noch ihre Justiz im Innern. Hernach bildeten sich kleine Kurien, aber jede behielt ihren Kult, ihre Ver­sammlungen, ihre Feste, ihr Oberhaupt. Von den Tribus ging man zur Stadt über, aber die Tribus waren deshalb nicht aufgelöst, und jede von ihnen bildete weiter eine Körperschaft, als ob die Stadt nicht existierte. …

Im Haus des Prinzen Napoleon. Gemälde von Gustave Boulanger.

 

So ist die Stadt nicht eine Vereinigung von Indi­viduen: sie ist eine Vereinigung von mehreren Gruppen, die vor ihr gebildet waren, und die sie fortbestehen läßt. Man sieht bei den attischen Rednern, daß jeder Athener zu gleicher Zeit an vier verschiedenen Gesellschaften teilnimmt; er ist Mit­glied einer Familie, einer Phratrie, einer Tribus und der Stadt“.1

 

1. Idem, S. 144, 145 und 146.

 

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VII, No. 5.

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Der hl. Augustinus

Eine Lektüre, die ich jedem empfehlen kann, sind die „Bekenntnisse“ des hl. Augustinus (354-430). Es ist eine Lektüre, die in ihren strikten biographischen Aspekten, unter allen Gesichtspunkten, etwas wunderbares ist.

Es ist vor allem eine Erbauungslektüre: die Psychologie der Bekehrung, wenn er beschreibt, wie er selbst sich bekehrte, alle seine Sünden, alle Irrtümer, alle Abgründe, in denen er gefallen ist, der Hochmut, der sich zerbrach, nachdem er gesehen hatte, zu was er alles fähig war; sein erster Kontakt mit dem hl. Ambrosius (340-430), Bischof von Mailand, die ersten Prinzipien, die ersten Lichter der Idee einer Religion, die allmählich durch die Anwesenheit des hl. Ambrosius in seine Gedanken eindrangen, als er noch nicht katholisch war.

Er hatte eine so große Begeisterung für den hl. Ambrosius, dass er ihn in seinem Haus aufsuchte, um sich mit ihm zu unterhalten. Doch Ambrosius, der die modernen Techniken des Apostolats nich kannte, trotzdem ein großer Apostel war, lies dem Augustinus sagen, dass er keine Zeit für ihn hatte, da er wichtiges zu schreiben hatte, und fuhr mit seinem Schreiben fort. Augustinus setzte sich in der Nähe und schaute dem großen Schreiber mit Begeisterung zu.

Ambrosius wusste, dass er durch das Apostolat der Anwesenheit viel mehr erreichen würde als durch das Apostolat des Wortes. Dem einen schrieb er, dem anderen erstrahlte er; bekehrte diejenigen, denen er schrieb und bekehrte den, dem er erlaubte ihm zuzuschauen. Wie gerne würde ich diese Szene durch eine Luke betrachten! Ambrosius, der große Kirchenlehrer, in einem Follianten schreibend, mit dem Antlitz eines ehwürdigen Alten, gelassen, erleuchtet durch die Gnade Gottes, weise, in sich gekehrt, erhaben in seinen Urteilen, ab und zu das Schreiben unterbrechend, um ein Stoßgebet zu verrichten, etwas nachdenklich bevor er eine Schlussfolgerung formuliert, und vor ihm Augustinus, der in seinem Gesicht noch die krampfartigen Züge einer Krise, die er gerade durchmachte. Doch Gottes Gnade wirkte in Augustinus und bearbeitete sein Inneres durch der Bewunderung des hl. Ambrosius.

Dann die bekannte Bekehrung des Augustinus, in der die Kirchenmusik eine große Rolle gespielt hat. Er erzählt, dass, wenn er in eine Kirche ging und dort die sakrale Musik hörte, das Singen der Psalmen, er eine Gewalt, das Tosen seiner Reue und den Ruhm Gottes verspührte, das fast einer Verzückung gleichkam.

Und dann beschreibt er die bekannte Gewissenskrise und die Szene seiner Bekehrung. Er hört eine Stimme, die ihm sagt: tolle, lege; nimm und lies! Er nimmt das Buch, das da liegt, es ist die Heilige Schrift. Er liest sie und seine Bekehrung ist beschlossen.

Weiter beschreibt er seine bekannte Unterhaltung mit seiner Mutter, der hl. Monika (331-387) in Ostia. Monika war eine extrem gütige Person, eine Heilige und er, ein sehr schlechter Sohn. Es kam einmal zu einer schmerzlichen Szene. Er wollte nach Rom (er wohnte in Afrika) und seine Mutter wollte mit ihm reisen. Er ist vor seiner Mutter geflüchtet und fuhr allein nach Rom. Sie blieb zurück, betete und weinte viel um die Bekehrung ihres Sohnes. Irgendwann ist sie ihm nachgefahren und besuchte dann den Bischof von Mailand, den hl. Ambrosius, und fragte ihn, ob er meine, dass sich ihr Sohn bekehren würde. Er antwortete: “Frau, ich habe nicht viel Zeit, um mit dir zu sprechen, doch eines will ich dir sagen: Gott kann einem Sohn so vieler Tränen nicht widerstehen.” Das heisst, es sollte eine neue Geburt des Sohnes sein, diesmal aber aus tiefer Trauer, Schmerz und Tränen.

Man kann sich ihre Freude vorstellen, als sie, gegen aller Erwartung, sieht, dass sich ihr verlorener Sohn bekehrt. Sie wollen beide nach Afrika zurück, um wieder in Karthago zu wohnen. Sie erreichten die Hafenstadt Ostia, wo sie sich einquartieren. Am Abend, setzen sie sich am Fenster der Herberge und unterhalten sich. Augustinus erzählt, dass sie über den Himmel sprachen. Man kann sich vorstellen, wie dieses Gespräch sich entwickelte, eine heilige Mutter, ein heiliger Sohn. Beide gerieten in einer Art Verzückung. Augustinus erzählt, dass diese Verzückung für ihn ein Licht war, das ihn Mut gab, alle Kämpfe des Lebens zu durchstehen. Für die Mutter, war es ein Vorfreude des Himmels, da sie kurz darauf noch in Ostia gestorben ist. Er wohnt noch dem Begräbnis der Mutter bei und fährt zurück nach Afrika, wo er später (395) Bischof von Hippo wird.

In Hippo schrieb er unter anderem sein bekanntes Buch “Die Stadt Gottes”, in dem er sozusagen das Prinzip, die Grundlage der Doktrin von Revolution und Gegenrevolution darstellt. Das Prinzip, welches er dort beschreibt, ist, dass es auf der Welt nur zwei Kräfte gibt, nur zwei vitale Prinzipien, nur zwei aktive Elemente, nur zwei Ordnungen, oder, wie er sagt, nur zwei Staaten (die civitas, die er beschreibt, ist der Staat und nicht die Stadt, wie man gewöhnlich meint): es sind Gott und der Teufel, die sich in einem ewigen, vollständigen und unversöhnlichen Kampf befinden.

Es ist der Gedanke, dass alle Ereignisse in der Welt einzig und allein auf einen Kampf zwischen Gut und Böse zurückgehen, zwischen katholischer Kirche und der Macht der Finsternis, zwischen denen, die in der Kirche das Gute vertreten und der Macht der Finsternis. Dieser Kampf, dieser zwei entgegengesetzten Prinzipien gehe aus zwei Arten der Liebe hervor, und die Opposition dieser zweier Lieben sei die Quelle des gegenseitigen Hasses. Und die Quelle dieser Liebe und des Hasses sei, in der Stadt Gottes, die Liebe Gottes bis hin zum Vergessen seiner selbst, und in der Stadt des Teufels, die Eigenliebe bis hin zur Gottvergessenheit. Das heißt, des Egoismus in der einen und der Suche nach dem Absoluten in der anderen.

Das nur an sich selbst denken, an die eigenen Interessen, an sein Wohlbefinden, an Kleinigkeiten, sich als kleines Zentrum den Universums zu halten, ein Egoismus, der nur auf die eigene Befriedigung eingestellt ist, das ist der Ausgangspunkt der Stadt des Teufels, der bösen Geisteshaltung und alles weitere.

Die Stadt Gottes besteht in nicht an sich denken, sich ausschließlich an die überirdische Realität ausrichten, auf die die Offenbarung uns hinweist. Einen metaphysischen Geist pflegen, einen religiösen Geist, der den höheren Dingen zuwendet und die Seele für die Annahme der unschätzbaren Gabe des katholischen Glaubens vorbereitet. Das heißt, nur für Gott leben.

Diese zwei Prinzipien stehen in einer kompletten Opposition und die Weltgeschichte entwickelt sich im gegenseitigen Kampf dieser beiden Prinzipien.

Jemand könnte einwenden, die sei eine radikale, kompromisslose Auffassung der Realität. Ja, und das ist sie auch. Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort sagt, alles was Gott geschaffen hat, ist gut, weil er nicht Falsches tun kann. Nur eine einzige Feindschaft hat er gesetzt und diese ist gut, weil er nur Gutes tun kann: Es ist die Feindschaft zwischen Guten und Bösen, zwischen den Kinder des Lichtes und den Kindern der Finsternis, zwischen der Muttergottes und der Schlange.

Es gibt da etwas sehr schönes über den hl. Augustinus: Der Geist, mit dem er seine Bücher schrieb und füllte. Er schrieb sie zu der Zeit, als das Römische Reich des Westens zusammenfiel. Alles führte dahin anzunehmen, dass mit dem Einfall der Barbaren im Westen die katholische Religion weggefegt würde. Augustinus war Bischof von Hippo im Norden Afrikas. Dort haben die Barbaren dermaßen gewütet, dass der Katholizismus bis heute nicht wieder etablieren konnte. Trotzdem schrieb er seine Bücher in aller Ruhe, für eine Zukunft, die er nicht kannte.

Als er starb, waren die Horden in die Stadt eingedrungen. So berühmt war Augustinus, dass die Eindringlinge seinem Leichnam noch die letzte Ehre erwiesen. Die Welt zerbrach und es kam das Mittealter. Seine Werke waren die Grundlage für die mittelalterliche Auffassung des Staates, des Reiches und der Kirche. Er ist ein Kirchenlehrer des Mittelalters.

Man sieht, was notwendig war an Gottesglauben und Gottvertrauen. Gott will, dass er schreibt und er schreibt ein umfangreiches Werk, nicht für die Vandalen, die Hippo erstürmten, sondern für wann es Gott will. Seine Werke liegen da, fertig.

Und als es Gott gefiel, Jahrhunderte nach seinem Tod, kam das Mittelalter, wie eine Lilien erwachsen aus dieser Wurzel, insbesondere “die Stadt Gottes”. Dies soll für uns eine Ermutigung sein. Vollbringen wir mit Vertrauen und festem Glauben unser Werk, denn es wird für irgendwann nützlich sein. Niemals dürfen wir meinen, dass das, was wir tun, nicht von einer großen Nützlichkeit sei.

 

(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 28. August ?. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

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„Das Studium der alten Verordnungen des Pri­vatrechtes ließ uns über die Zeiten hinweg, die man die historischen nennt, eine Reihe von Jahrhunder­ten dunkel erkennen, während denen die Familie die einzige Gesellschaftsform war. Diese Familie konnte durch Jahrhunderte hindurch dann in ihrem großen Rahmen Tausende von menschlichen Wesen in sich schließen. Aber in diesen Grenzen war die menschliche Gesellschaft noch zu eng beschränkt: zu eng für die materiellen Bedürfnisse, denn schwer konnte sich die Familie in allen Lebenslagen genügen: zu eng auch für die moralischen Bedürfnisse unserer Natur. …

Wandmalerei aus der Empfangshalle der Villa von P. Fannius Synistor in Boscoreale; ca.- 50-40 v. Chr.

Die religiöse Idee und die menschliche Gesell­schaft waren also zugleich im Wachsen begriffen. Die häusliche Religion untersagte die enge Ver­bindung zweier Familien. Aber es war möglich, daß mehrere Familien, ohne irgend etwas von ihrer eigenen Religion preiszugeben, sich zumindest zur Feier eines anderen Kultes, der beiden gemeinsam war, einigten. Das geschalt auch. Eine gewisse Anzahl von Familien bildete eine Gruppe, die in der griechischen Sprache Phratrie, in der lateini­schen Kurie hieß. Waren es Bande der Geburt, die in den Familien derselben Gruppe bestanden? Es ist unmöglich, dies zu bestätigen. Sicher aber ist, daß sich solch eine neue Vereinigung nicht ohne Erweiterung der religiösen Idee vollzog. In dem Augenblick, wo sich diese Familien vereinigten, anerkannten sie eine Gottheit, die über ihren häus­lichen Gottheiten stand, die allen gemeinsam war und die über die ganze Gruppe wachte. Sie errich­teten ihr einen Altar, zündeten ein heiliges Feuer an und setzten einen Kult fest.

 

Es gab keine Kurie, keine Phratrie, die nicht einen Altar und ihren schützenden Gott gehabt hätte. Der religiöse Akt vollzog sich da in derselben Art wie der in der Familie. …

Gemälde von John William Waterhouse

 

Jede Phratrie oder Kurie hatte ein Oberhaupt, Kurio oder Phratriarch, dessen hauptsächlichste Funktion im Vorsitz bei den Opfern bestand. Viel­leicht sind seine Vorrechte zu Anfang ausgedehnter gewesen. Die Phratrie hatte ihre Versammlun­gen, ihre Beratungen und konnte Beschlüsse fassen. So wie in der Familie, gab es auch in der Phratrie einen Gott, einen Kult, ein Priester­tum, eine Justiz, eine Verwaltung. Es war eine kleine Gesellschaft, die genau der Familie nach­gebildet war.

Auf natürlichem Wege und auf dieselbe Weise wuchs diese Vereinigung. Mehrere Kurien oder Phratrien vereinigten sich und bildeten eine Tribus.

Marcus Aurelius Arcus. Foto von MatthiasKabel

 

Dieser nette Kreis hatte wieder seine Religion; in  jeder Tribus war ein Altar und eine schützende Gottheit. …

 

Die Tribus, sowie die Phratrie, hatte Versamm­lungen und faßte Beschlüsse, denen alle Mitglieder sich unterwerfen mußten. Sie hatte ein Tribunal und das Recht, ihre Mitglieder zu verurteilen. Sie hatte ein Oberhaupt, tribunus, phylobasileus“. 1

 

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1 Op. cit., Buch III, S. 132, 133, 134, 136, 137.

 

Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VII, No. 4.

 

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Römische Ruine mit einem Propheten. Gemälde von Giovanni Paolo Pannini.

 

„Man kann also einen langen Zeitraum erblicken, während dessen die Menschen keine anders geartete Gesellschaft gekannt haben, als die Familie. …

 

Jede Familie hat ihre Religion, ihre Götter, ihr Priestertum. … Jede Familie hat auch ihr Eigen­tum, ihr Stück Erde, das ihr durch die Religion unabänderlich gehört. … Endlich hat jede Familie ihr Oberhaupt, so wie jede Nation ihren König. Sie hat ihre Gesetze, die ohne Zweifel nicht geschrieben sind, die aber im Herzen eines jeden Menschen durch den strengen, religiösen Glauben eingeprägt waren. Sie hat ihre innere Justiz, über welche keine andere steht, die man anrufen könnte. Alles, was dem Menschen zu seinem materiellen oder moralischen Leben notwendig ist, besitzt die Familie in sich.

Der römische Dichter Catullus liest vor seinen Freunden. Gemälde von Stepan Bakalovich

Nichts von außen ist ihr nötig; sie ist ein organisierter Staat, eine Gesellschaft, die sich genügt.

Aber diese Familie der alten Zeiten ist weit verschieden von den Verhältnissen der modernen Familie. In den großen Gesellschaftsgebilden teilt und verkleinert sich die Familie; besteht aber keine Gesellschaft, so entwickelt und verzweigt sie sich ohne Teilung. Die jüngeren Zweige vereinigen sich dann um den älteren und bleiben bei der einen Herde und dem gemeinschaftlichen Grabe.1

 

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1 Ebenda, S. 126-127.

 

Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VII, No. 3.

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Römische Familie

„In den schwierigen Problemen, die die Ge­schichte oftmals bietet, ist es ratsam, den Wort­schatz der Sprache, um alle Auskünfte, die er uns geben kann, zu befragen. Eine Institution ist manchmal durch das Wort erklärt, das sie bezeich­net. Das Wort gens ist genau dasselbe, wie das Wort genus, so zwar, daß man eines für das andere nehmen und ohne Unterschied gens Fabia und genus Fabium sagen konnte. Beide entsprechen dem Verbum gignere und dem Substantiv genitor, ebenso wie genos dem gennäs und dem goneus entspricht. All diese Worte tragen den Begriff der Abstammung in sich. … Man vergleiche all diese Worte mit denen, die wir die Gewohnheit haben, mit Familie zu übersetzen, das lateinische familia, das griechische oikos. Weder das eine noch das andere enthält in sich den Sinn der Abstammung oder der Verwandtschaft. Die wahre Bedeutung von familia ist Eigentum; es bezeichnet das Feld, das Haus, das Geld, die Sklaven und deshalb sagen die Zwölftafelgesetze, indem sie vom Erben spre­chen, familiam mancitor, er soll die Nachfolge­schaft antreten. Was oikos betrifft, so ist es klar, daß dieses Wort nichts anderes bezeichnen will, als Eigentum oder Behausung. Und doch sind dies die Worte, die wir gewöhnlich mit Familie übersetzen. Kann man annehmen, daß Worte, deren wesentli­cher Sinn der der Behausung oder des Eigentums ist, oftmals zur Bezeichnung einer Familie ange­wendet werden konnten, und daß andere Worte, deren innerer Sinn Abstammung Geburt, Vater­schaft bedeutet, niemals etwas anderes als eine künstliche Vereinigung bezeichneten? Sicherlich wäre das nicht übereinstimmend mit der Deutlich­keit und der Klarheit der alten Sprachen. Es ist unzweifelhaft, daß die Griechen und die Römer mit den Worten gens und genos die Vorstellung einer gemeinschaftlichen Abstammung verbanden. … Die gens wird uns allseitig als eine Vereinigung dargestellt, die durch die Bande der Geburt ge­schaffen ward. …

Gemälde von Stepan Bakalovich.

Aus alledem erhellt, daß die gens keine Vereini­gung von Familien, sondern die Familie selber war. Ob sie nun nur  aus einer einzigen Linie bestand, oder zahlreiche Zweige zählte, immer war es nur eine Familie.

 

Es ist überdies leicht, sich von der Bildung der antiken gens und ihrer Natur ein Bild zu machen, wenn man sich die alten Glaubenslehren und die alten Einrichtungen vergegenwärtigt, die wir früher erwähnt haben. Man wird sogar erkennen, daß die gens auf ganz natürlichem Wege der häus­lichen Religion und dem Privatrechte der alten Zeiten entspringt. … Als wir die Autorität der alten Familien behandelten, haben wir gesehen, daß die Söhne sich vom Vater nicht trennten; indem wir die Gebräuche, die in der Übertragung des väterlichen Erbteiles herrschten, studierten, haben wir konstatiert, daß die jüngeren Brüder sich dank dem Prinzipe des gemeinschaftlichen Besitzes von dem älteren Bruder nicht trennten. Herd, Grab, väterliches Erbteil, all dies war zu Anfang unteil­bar, und folglich auch die Familie. Die Zeit ver­mochte sie nicht zu zerteilen. Diese unteilbare Familie, die sich durch alle Zeiten hindurch ent­wickelte, ihren Kultus und ihren Namen von Jahrhundert zu Jahrhundert erhaltend, das war in Wirklichkeit die antike gens. Die gens war die Familie, aber die Familie, die sich die Einheit, die die Religion ihr befahl, erhalten und sich so weit entwickelt hat, als es das alte Privatrecht zuließ.

Mutter und ihre beiden Kinder. A.D. 250.

 

Nehmen wir das als wahr an, so wird alles klar, was die alten Schriftsteller uns von der gens erzäh­len. Die enge Verbindlichkeit, die wir eben zwi­schen ihren Gliedern bemerkten, hat nichts Über­raschendes mehr: Sie sind durch die Geburt ver­wandt“.1

 

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1 Ebenda, S. 118, 119, 121 und 122.

 

Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VII, No. 2.

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Fustel de Coulanges

Das Buch von Fustel de Coulanges,1 Der antike Staat, zuerst mit Begeisterung aufgenommen, war anschließend im Laufe der Zeit Gegenstand der Kritik. Trotzdem, auf Grund der diesem Werk zugrundeliegenden Gelehrsamkeit, der Klarheit der Gedanken und geradlinigen Ausführung, bewahrt Der antike Staat auch heute noch die Einschätzung als Meisterwerk seiner Art.

 

1. Das Wort pater unterscheidet sich von genitor und erscheint als Synonym für rex

„Dank der häuslichen Religion war die Familie ein kleiner, organisierter Körper, eine kleine Ge­sellschaft, die ihr Oberhaupt und ihre bestimmte Führung hatte. Nichts in unserer modernen Gesell­schaft kann uns von jener väterlichen Macht einen Begriff geben. In dieser alten Zeit war der Vater nicht nur der Starke, der beschützt und sich zu­gleich Gehorsam zu verschaffen imstande ist, er ist auch der Priester, der Erbe des Herdes, der Fort­setzer der Ahnen, der Stamm der Nachkommen, der Verwahrer der geheimnisvollen Gebräuche des Kultus und der geheimen Formen des Gebets. Alle Religion ruht auf ihm.

Der Name Pater, mit dem man ihn nennt, gibt uns eine sonderbare Belehrung. Das Wort ist im Griechischen, Lateinischen, im Sanskrit dasselbe, woraus man schon schließen kann, daβ dieses Wort aus einer Zeit stammt, wo die Vorfahren der Helle­nen, der Italer und der Hindu noch zusammen in Zentralasien lebten. Was bedeutete es damals den Menschen? Dies läßt sich leicht entnehmen, denn es hat diesen seinen ersten Sinn in den Formen der religiösen und juristischen Sprache bewahrt. … In der juristischen Sprache konnte der Titel eines Pater oder paterfamilias einem Manne beigelegt werden, der keine Kinder hatte, der nicht verheira­tet und gar nicht in dem Alter war, eine Heirat eingehen zu können. Der Begriff der Vaterschaft haftete also nicht an diesem Worte.

Die alte Sprache besaß noch ein anderes Wort, eine passende Bezeichnung für den Vater, das ebenso alt ist wie Pater und sich in der Sprache der Griechen, der Römer und der Hindu vorfindet (gânitar, gennetér, genitor). Das Wort pater hatte einen anderen Sinn. In der religiösen Sprache wandte man es auf alle Götter an; in der Rechtssprache nannte man paterfamilias jeden Mann, der unabhängig war und der eine Familie und ein Haus beherrschte. Die Dichter zeigen uns, daβ man es im Hinblick auf all jene anwandte, die man ehren wollte. Sklave und Klient nannten so ihren Herrn.  Rex, hänas, basileus waren ihm synonyme Wörter. Es schloß nicht etwa die Idee der Vaterschaft, wohl aber die der Macht, der Autorität, der majestätischen Würde in sich.

 

Sieg des Tullius Hostilius über Veji

Daß ein solches Wort auf den Familienvater angewandt wurde, mit der Zeit sogar sein gewöhn­lichster Name werden konnte, ist sicherlich eine bezeichnende Tatsache, die jedweden bedeutsam erscheinen wird, der die antiken Institutionen kennen lernen will. Die Geschichte dieses Wortes genügt, um uns einen Begriff der Macht zu geben, die der Vater lange Zeit in der Familie ausgeübt hat und des Gefühls der Verehrung, das man ihm zollte, wie einem Priester oder Herrscher.2

 

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1 Französischer Geschichtsschreiber (1830-1889), Professor für die Geschichte des Mittelalters an der Sorbonne und Direktor der École Normale Supérieure. Außer Der antike Staat schrieb er noch andere Bücher, von denen besonders das Werk Geschichte der Institutionen im antiken Frankreich hervorzuheben ist. In diesem Buch analysiert er die Entstehung des Feudalregimes in diesem Land.

 

2 Der Antike Staat. Studie über Kultus, Recht und Einrichtungen Griechenlands und Roms. Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, Graz, 1961, S, 97-98.

 

­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VII, No. 1.

 

 

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Frantz Funck-Brentano (1862-1947)

Über die Rolle der Familie beim Aufbau der feudalen Gesellschaftsordnung schreibt der Historiker Franz Funck-Brentano, Mitglied des Institut Français, in seinem berühmten Buch Das Ancien Régime:

„Niemand wird bestreiten, daß das Ancien Régime seine Wurzeln in der feudalen Gesellschaft hat. Der Feudalismus selbst entstand in jener er­staunlichen Epoche, die von der Mitte des 9. Jahr­hunderts bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts reicht, aus der französischen Familienorganisation, die ihre privaten Institutionen nach und nach auf das öffentliche Leben ausweitete.

Die Bulgaren besiegen die Byzantiner bei Anchialos 917

Im Laufe des 9. und 10. Jahrhunderts hatten eine ganze Reihe von Überfällen der Barbaren, Normannen, Hunnen und Sarazenen das Land in die Anarchie gestürzt, der alle Institutionen zum Opfer gefallen waren. Der Bauer verließ sein Ac­kerland, um der Gewalt zu entfliehen; das Volk versteckte sich in den tiefsten Wäldern und in un­zugänglichen Sümpfen oder suchte seine Zuflucht im Hochgebirge. Das Band, das die Bewohner eines Landes einte, war zerrissen; die überlieferten Bräuche und Gesetze waren zerschlagen; niemand mehr regierte die Gesellschaft.

Inmitten dieser Anarchie ging von der einzigen noch heilen organisierten Kraft, von der einzigen Zuflucht, die niemand hatte besiegen können, weil ihre Fundamente in das menschliche Herz hinein­reichten, nämlich von der Familie, der Wiederauf­bau der Gesellschaft aus.

Mitten im Sturm widersteht die Familie, gewinnt an Kraft und wächst zusammen. Da sie ihren Bedürfnissen nachkommen muß, schafft sie sich die für die landwirtschaftliche und mechanische Arbeit und für die bewaffnete Verteidigung notwendigen Organe. Da es den Staat nicht mehr gibt, tritt an seine Stelle die Familie. Das gesell­schaftliche Leben dreht sich um das Heim, das Leben in Gemeinschaft beschränkt sich auf den Hausbereich und die dazugehörigen Güter, be­schränkt sich auf die Hauswände und was darum herumliegt.

 

Es handelt sich um eine nachbarliche Gesell­schaftsform, die von den restlichen Gruppen des­selben Musters jedoch völlig abgeschnitten ist.

Der Bote

 

In den Anfangszeiten unserer Geschichte erin­nert der Familienchef an den früheren pater fami­lias. Er befehligt die Gruppen von Menschen, die sich um ihn herum bildet und seinen Namen trägt, er organisiert die gemeinsame Verteidigung und verteilt die Arbeit je nacht Fähigkeiten und Bedürf­nissen eines jeden. Er herrscht – so heißt es in den Texten jener Zeit – als absoluter Herr. Man nennt ihn ‚sire’. Seine Gemahlin, die Familienmutter, wird ‚Dame’, ‚Domina’, genannt.

 

So wurde die Familie für den Menschen zum Vaterland, und die lateinischen Texte jener Zeit nennen sie sogar so, ‚Patria’. Ihr gehört die zärtli­che Zuneigung des einzelnen um so mehr, als sie lebendig und konkret vor seinen Augen liegt. Ihre Macht, aber auch ihre Milde wird unmittelbar er­fahren als fester, geliebter Panzer, als notwendiger Schutz. Ohne Familie könnte der Mensch nicht bestehen.

Wilfried I. von Barcelona, genannt Wilfried der Haarige

Daraus entsteht das Gefühl der Solidarität, das die Familienmitglieder miteinander verbindet, und das sich unter dem Wirken einer souveränen Tra­dition weiterentwickelt und nach und nach genaue­re Umrisse annimmt“.1

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1 a.a.o., Americ.- Edit., Rio de Janeiro, 1936, Bd. I, S. l2-l4.

Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VIII.

 

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– die Erfahrung des zeitgenössischen Föderalismus

 

Viele Historiker sehen im Feudalismus, wie er in bestimmten Regionen Europas seinen Ausdruck gefunden hat, sowie in den parafeudalen Landbesitzverhältnissen anderer Regionen gefährliche, Uneinigkeit stiftende Faktoren.

 

Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, daß Autonomie an sich nicht unbedingt zur Uneinigkeit führen muß.

 

Heute sieht zum Beispiel niemand mehr in der Autonomie der Staaten, die auf dem amerikanischen Kontinent föderative Republiken bilden, einen Uneinigkeitsfaktor, man betrachtet sie vielmehr als ein agiles, plastisches, fruchtbares Beziehungsmuster intelligenten Zusammenlebens. Regionalismus bedeutet nicht immer Feindseligkeit untereinander oder gegenüber dem Ganzen, sondern auch harmonische Autonomie, Reichtum an geistigen und materiellen Gütern sowohl in den allen Regionen gemeinsamen Zügen als auch in den besonderen Merkmalen einer jeden einzelnen.

 

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, e.

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Diese Ordnung ist so zu verstehen, daß anfangs nichts neben oder gar gegen den König bestand, der in seiner Person das Volk und das Land verkörperte. Alles unterstand vielmehr dem Monarchen und war seinem Schutz und seiner höchsten Macht anvertraut, damit er das von Regionen und autonomen Orten gebildete organische Ganze, das damals die Nation ausmachte, als sein Hoheitsgebiet bewahrte.

Selbst in Zeiten des weitgehenden Verfalles der königlichen Macht wurde das einheitliche monarchische Prinzip nie in Frage gestellt. Die Sehnsucht nach königlicher und vielerorts sogar nach der kaiserlichen, die ganze Christenheit umfassenden karolingischen Einheit, blieb während des ganzen Mittelalters lebendig. In dem Maße, in dem die Könige also die Mittel zur Ausübung einer das ganze Land überziehenden und dem Gemeinwohl dienenden Macht zurückerlangten, übten sie diese auch effektiv aus.

Kaiser Charlemagne und Alcuin

 

Dieser langwierige Prozeß der Festlegung, Bestimmung und Organisation auf lokaler und später auch auf regionaler Ebene, dem dann ein ebenso schwieriger Prozeß einigender und zentralisierender nationaler Umgestaltung folgte, konnte nicht vonstatten gehen, ohne daß es hie und da zu übertriebenen, einseitig und leidenschaftlich vorgetragenen Ansprüchen von seiten jener gekommen wäre, die für eine gerechtfertigte Autonomie eintraten oder aber notwendig gewordene Neuordnungen vornahmen. Das alles führte im allgemeinen zu Lehenskriegen, die sich oft über längere Zeit hinzogen und manchmal sogar mit internationalen Konflikten verbunden waren.

Das war der schmerzliche Tribut, den die Menschen infolge der Erbsünde, ihrer gegenwärtigen Sünden, infolge der größeren Nachlässigkeit oder Nachsicht, mit der sie dem Bösen begegnen oder sich ihm sogar hingeben, zu zahlen hatten.

 

Ungeachtet all dieser Hindernisse läßt sich der tiefere Sinn der Geschichte des Feudalismus und des Adels nur dann verstehen, wenn man die obigen Erklärungen berücksichtigt. Denn es war ein langer Weg, auf dem sich die Gesellschaft und der Staat des Mittelalters gebildet haben.

König Karl X. von Frankreich

 

In Wirklichkeit entwickelten sich das Lehenswesen und seine Hierarchie unter den verschiedenen Umständen auf eine jeweils andere Art und Weise. So wurde dieser Entstehungsprozeß auch keineswegs von allen europäischen Ländern gleich durchlaufen, sondern nur von einigen. Beispielhaft gilt der beschriebene Vorgang jedoch für diese Herrschaftsform im ganzen.

 

Viele Züge dieses Systems erscheinen in der Geschichte mehrerer Reiche, die das Lehenswesen dennoch nie im vollen Wortsinn eingeführt haben. Als besonders interessante Beispiele wären hier die beiden iberischen Nationen, Portugal und Spanien, zu nennen.[1]

 

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[1] Vgl. z. B. JOSÉ MATTOSO,  A Nobreza Medieval Portuguesa, Lissabon 1981, S. 27f; Enciclopédia Universal Ilustrada, Espasa-Calpe, Bd. XXI, S. 955 u. 958, Bd. XXIII, S. 1139.

 

Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, d.

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 – das regionale Gemeinwohl – der Herr einer ganzen Region

 

Angesichts der veränderten Gegebenheiten konnten die Menschen es wagen, ihren Blick, ihre Gedanken und ihre Tätigkeit auf immer weitere Gebiete auszudehnen. So bildeten sich nach und nach Regionen heraus, die oft von unterschiedlichen lokalen Faktoren geprägt waren, wie etwa geographischen Besonderheiten, militärischen Bedürfnissen, Geschäftsinteressen, Zustrom der Pilger zu den wichtigsten Heiligtümern, die sich oft in den entlegendsten Gebieten befanden. Daneben entstanden berühmte Hochschulen, die eine große Anzahl von Studenten anzogen, und angesehene Messestädte, in denen Jahr um Jahr die Kaufleute zusammenströmten.

 

Kennzeichnend für die einzelnen Regionen wurden auch besondere psychologische Verwandtschaften, die sich aus den verschiedensten Faktoren ergaben: die Tradition gemeinsamer, oft lang andauernder Kämpfe gegen einen Gegner von außen; Ähnlichkeiten in Sprache, Sitten, künstlerischem Ausdruck usw.

 

Auf diese Weise umfaßte ein regionales Gemeinwohl die verschiedenen, mehr örtlich fixierten Gemeinwohle und erreichte damit eine höhere, edlere Stufe.

 

Normalerweise wurde die Sorge um das regionale Gemeinwohl einem Herrn anvertraut, dem der größte Landbesitz gehörte und der, da er die größte Macht und Repräsentativität in der Region besaß, auch in der Lage war, die verschiedenen Teilgebiete zu einem Ganzen zu verschmelzen, ohne deshalb die jeweilige Autonomie beschränken zu müssen. Dies alles diente sowohl Kriegszwecken als auch friedlichen Unternehmungen.

 

Der Herr der Region wurde damit als Abbild des Königs in seiner Region, so, wie dies auch der einfache Großgrundbesitzer auf beschränkter örtlicher Ebene war, mit einer Aufgabe betraut, die ihm allerdings eine Reihe von wesentlich edleren Rechten und Pflichten verlieh.

 

Der Feudalherr, d. h. der edle Landeigentümer, an dessen Eigentumsrecht kraft eines – der heutigen Erbleihe ähnlichen – Bandes eine große Zahl von Beschäftigten teilhatte, schuldete seinem jeweiligen Lehnsherrn einen Lehnsdienst, der dem vergleichbar war, wenn auch nicht identisch, den dieser wiederum dem König zu leisten hatte.

 

So bildete sich an der Spitze der Gesellschaftspyramide langsam eine adelige Rangordnung heraus.

 

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, c.

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Auf diese Weise bildete sich die Adelsklasse als eine untergeordnete Teilhabe an der königlichen Macht heraus.

Das bereits Gesagte zusammenfassend, kann man sagen, daß damals dieser Klasse das private Gemeinwohl anvertraut war, das in der Bewahrung und Förderung der Land- und Viehwirtschaft bestand, von der sowohl die Adeligen als auch das gemeine Volk lebten. Anvertraut war dieser Klasse aber auch das erhabenere, universellere und daher seinem Wesen nach edle öffentliche Gemeinwohl, das es an Stelle des Königs in dem jeweiligen Gebiet zu pflegen galt. Schließlich hatte der Adel auch einen gewissen Anteil an der zentralen Macht des Monarchen selbst, denn in vielen Fällen waren die höheren Adeligen gewöhnlich auch Ratgeber der Könige. Auch die zur Regierung des Landes unabdingbaren Ämter eines Staatsministers, Botschafters oder Feldherrn wurden größtenteils von Adeligen bekleidet. Die Verbindung zwischen hohem öffentlichen Amt und Adelsstand war bald so eng, daß selbst in Fällen, in denen das Gemeinwohl einen Amtsinhaber aus dem Volk verlangte, diesem vom König ein Adelstitel verliehen wurde, der ihn, und oft auch seine Nachkommen, in den Adelsstand erhob.

Dem Landeigentümer, den die Umstände zu einer solch höheren Aufgabe als der reinen Lebensmittelbeschaffung berufen hatten, kam also in Krieg und Frieden die Sorge um die salus publica zu, und das bedeutete normalerweise die Ausübung der Regierungsgewalt innerhalb eines beschränkten Gebietes. Er wurde damit ipso facto in ein höheres Verhältnis versetzt, das ihn zu einer Art Miniaturbild des Königs machte. Seine Aufgabe ließ ihn so zum wesenhaften Teilhaber an der erhabenen Aufgabe des Königs selbst werden.

 

Die Gestalt des edlen Landherrn entstand somit spontan aus den gegebenen Umständen.

 

Die ihm zugefallene private und edle Aufgabe erfuhr nach und nach eine Erweiterung, als die Lage im christlichen Europa weniger besorgniserregend wurde und mit dem Rückgang der Gefahr von außen längere Friedensperioden im Land herrschten. Immer neue Aufgaben gesellten sich zu den alten.

 

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, b.

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Im Kontext dieses Bildes kann man besser erkennen, was Adel bedeutet, diese Klasse, die im Gegensatz zu einigen anderen nicht nur adelige Züge trägt, sondern voll und ganz adelig ist; sie ist der Adel schlechthin.

 

Ein paar Worte zum historischen Ursprung des Adels sollen diese Erklärung verkürzen.

 

a) Die Klasse der Landeigentümer bildet sich als Militäradel und als politische Autorität

 

Als das herrliche Reich der Karolinger in Trümmern lag, fielen über diese Trümmer – in immer neuen verheerenden Wellen – die Barbaren, die Normannen, die Ungarn und die Sarazenen her. Da die von allen Seiten bedrängte Bevölkerung gegen das über sie hereinbrechende Unheil nicht mehr allein bei dem bereits äußerst geschwächten zentralen Königtum ihre Zuflucht suchen konnte, wandte sie sich naturgemäß an die jeweiligen Landeigentümer und suchte bei diesen Führung und Regierung in ihrer unhaltbaren Lage. Die Landbesitzer kamen der Bitte um Hilfe nach und errichteten Festungen für sich und die Ihrigen.

Wenn wir von „Ihrigen“ sprechen, so müssen wir uns dem Geist jener Zeit entsprechend nicht nur die Familienangehörigen vorstellen, sondern die ganze herrschaftliche Gemeinschaft, zu der die Hausdienerschaft und die Handwerker mit ihren auf den Ländereien des Besitzers wohnenden Familien zählten. Allen boten die Festungen, die sich im Laufe der Zeit in stolze Schlösser verwandelten, die wir heute noch in großer Zahl bewundern können, Schutz, Nahrung, religiöse Betreuung und militärische Führung. Im Bereich der Burgen war oft sogar Platz für Hab und Gut und für das Vieh, das die Bauernfamilien so vor der Gier der Eindringlinge zu retten vermochten.

 

Der Landeigentümer und seine Angehörigen stellten sich als erste zum Kampf. Ihre Aufgabe war es, das Kommando zu führen, in den vordersten Reihen zu kämpfen, die gefährlichsten Offensiven anzuführen und bei der Verteidigung den härtesten Widerstand zu leisten.

 

So wurde aus dem Gutsbesitzer auch ein militärischer Anführer und Held.

 

In Friedenszeiten verwandelten sich diese Umstände in politische Macht über die anliegenden Ländereien, und aus dem Gutsbesitzer wurde ein Herr, ein Dominus im eigentlichen Sinn des Wortes, dem auch die Aufgaben eines Gesetzgebers und Richters zustanden. Als solcher wurde er zum Bindeglied mit dem König.

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­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Kapitel VII, 3, a.

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Der begeisterte Empfang des Grafen von Artois und zukünftigen König Karl X. bei seiner Heimkehr aus dem Exil zeigt auf klare Weise die Zuneigung, die das Volk den Repräsentanten der alten legitimen und väterlichen Dynastien entgegenbrachte.

König Karl X. von Frankreich

So ist das Ereignis von dem zeitgenössischen Historiker Georges Bordonove beschrieben:

Monsieur [1] zog feierlich  am 10. April 1814 durch das Tor Saint-Denis in Paris ein. Der Baron von Frenilly bezeugt: `Weder Fenster noch Dächer reichten aus, um die begeisterte Menge aufzunehmen, die sich heiser schrie. Alles war mit Fahnen, Vorhängen, Teppichen und Blumen geschmückt, und alle Menschen schwenk­ten Tücher. Es war ein rührendes Schauspiel.’

 

Porte Saint-Denis. Foto von Alec.

Es war ein herrliches Wetter. Die Aprilsonne beschien die Menge von weißen Fahnen, Blumen und lachenden Gesichtern… Kinder und junge Leute klammerten sich an die Fenstergitter, andere, mutige, drängten sich auf den Dächern, schwenkten ihre Hüte. Trommelwirbel ertönte. Pferde tummelten sich auf dem Pflaster. Von allen Seiten ertönten die Rufe: Vive le Roi! Vive Mon­sieur! Beim Näherkommen zum Stadtzentrum von Paris erhöhte sich die Freude, und die Begeiste­rung wurde zum Delirium. Monsieur war wirklich ein schöner Mann! Seine Erscheinung war, trotz seiner 57 Jahre, eindrucksvoll! Seine blaue Uniform, ornamentiert und mit silbernen Achsel­klappen, stand ihm so gut! Er ritt mit solcher Eleganz das wunderschöne, weiße Pferd, das man ihm angeboten hatte! Sein Blick war so stolz und gleichzeitig so voller Güte! Er dankte für die Hoch­rufe auf so liebenswürdige Art! …

 

König Karl X. von Frankreich im Krönungsornat.

Seit so langer Zeit hatte man keinen wirklichen Prinzen gesehen, bezaubernd und ein wirklicher Kavalier! So näherte er sich Notre-Dame.[.. Monsieur erlaubte der Menge, sich ihm zu nähern, seine Stiefel zu berühren, die Steigbügel und den Hals seines Pferdes. Die Kühnheit gefiel. Die Marschälle des Reiches folgten ihm. Einige erschienen vor ihm mit der dreifarbigen Kokarde. Andere verbargen ihre Feindseligkeit nicht. Alle waren darauf bedacht, ihre Posten zu behalten. Monsieur begrüßte sie. Nach und nach ließen auch die Marschälle sich von der allgemeinen Begei­sterung mitreißen. Die Bewegung, die Rufe der be­geisterten Menge verwirrten sie. Sie verstanden nicht, warum die Pariser sich derart für diesen Prinzen begeisterten, ein Unbekannter für sie, noch bis am Vortag. Ein geheimnisvoller Funke hatte ihre Herzen elektrisiert. Monsieur hatte ihn entzündet. Er besaß die Fähigkeit, Gefallen zu erregen, nicht nur die Masse, sondern auch die einzelnen Menschen zu erobern; heute würden wir das Charisma nennen. Er entsprach vollständig der Vorstellung, die man sich von einem Prinzen machte, sein Benehmen war so einfach und doch von höchster Würde, die man nicht lernen, nur erben kann …

Nur schwer bahnte er sich den Weg zu Notre­ Dame, wo ein Te Deum geplant war. Die Ereignisse überstürzten sich derart, daß keine Zeit mehr war, die Kathedrale zu schmücken. Man sah, daß er niederkniete und inbrünstig betete. Er dankte der Vorsehung dafür, daß sie ihm das Glück gewährt hatte, Frank­reich wieder zum Lilienthron zurückzubringen“.2

Möglich ist es, daß der Funke, der sich an der Begeisterung der Pariser über die Rückkehr der legitimen Monarchie entzündete, dadurch ent­stand, daß sie das damals allgemeine Gefühl teilten, welches Talleyrand in den Schlußworten des Briefes, den er an den künftigen Karl X. aus Anlaß der ersten Abdankung Napoleons sandte, so meisterhaft deutlich machte: „Nous avons assez de gloire, Monseigneur, mais venez, venez nous rendre l’honneur“ [Wir haben mehr als genug Ruhm, aber kommen Sie, Monseigneur, kommen Sie, uns die Ehre wiederzugeben].

 

1 So wurde der jüngere Bruder des Königs benannt. Der Graf von Artois war Bruder des Königs Ludwig XVIII.

2 Les Rois qui ont fait la France – Charles X, Ed. Pygmalion, Paris, 1990, S. 121-123

­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente X, #2.

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