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in den Ansprachen von Papst Pius XII

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Der familiäre Charakter der feudalen Regierungsform – der König als Vater seines Volkes

Um den familiären Charakter der feudalen Regie­rungsform deutlich darzustellen, ist es nützlich, einen Teil des inhaltsreichen Buches Der Geist der Familie im Heim, in der Stadt und im Staate von Mons. Henri Delassus wiederzugeben, in welchem er die geschicht­liche Herkunft dieser Regierungsform beschreibt.

Um aber die Bedeutung der genannten Materie entsprechend zu würdigen, erscheint es wichtig, vorerst einige Lebensdaten des Autors anzugeben.

Das Vaterland, Herrschaftsgebiet des Vaters

Mons. Delassus zeigt, nachdem er in seinem Buch Der Geist der Familie im Heim, in der Stadt und im Staate an die These Fustel de Coulanges erinnert hat, daß die Familie die Keimzelle der antiken Gesellschaft war, daß diese These auch auf die Herkunft der aktuellen Zivilisation anwendbar ist:

„Man kann feststellen, daß die sozialen Schich­ten auf die gleiche Weise sich zu Beginn unserer modernen Zeit herausgebildet haben.

Der Krondomäne, Aussschnitt einer Karte Frankreichs im Jahr 1180.

Die Familie bildete – indem sie sich erweiterte – unter uns die mesnada (mesnada, magnie: Haus, Familie, wie man noch heute das Haus Frankreich nennt), so wie sie bei den Griechen die Phratrie (Bruderschaft) oder unter den Römern die gens (Sippe) gebildet hat. ‚Die Blutsverwandten, um das Oberhaupt versammelt, bildeten’ – wie Flach in seinem Werk, `Die Ursprünge des alten Frankreich’ sagt – `den Kern eines umfangreichen Verbandes, der mesnada. Die mittelalterlichen Texte, Chroni­ken und Heldenlieder beschreiben uns die mesnada, erweitert um das Patronat und die Klien­tel, als eine Einrichtung, die genau der gens der Römer entspricht’. Im Anschluß an diese Definition zeigt uns Flach, daß die mesnada, ihrerseits sich entwickelnd, zur Großfamilie wird, deren Ober­haupt noch immer der Vater ist. Das ,geht so weit, daß die Menschen, die unter der Herrschaft eines Feudalherren stehen, häufig in den Texten des 12. und 13. Jahrhunderts – der Zeit, in welcher sich die Feudalherrschaft voll entwickelt hat – mit dem Wort ,Familie’ bezeichnet werden. ,Der Baron – sagt Flach – ist vor allem ein Familienvater’. Und der Historiker zitiert Texte in denen der Vater aus­drücklich dem Baron gleichgestellt wird und der Sohn dem Vasallen. ‚Das Größerwerden (der Familie) läßt den Baron höherer Klasse entstehen’. Aus der kleinen Feudalherrschaft wird die große. Aus der Zusam­menfassung der großen Feudalherrschaften werden die Königreiche.

L’Esprit Familial dans la Maison, dans la Cité et dans l’Etat von Msgr. Henri Delassus

So entstand unser Frankreich. Sowohl die Sprache, als auch die Geschichte bestätigen das. Die Gesamtheit der unter der Autorität des Familienvaters stehenden Personen nennt man Familie. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts wird auch die Gesamtheit der Personen, die unter der Auto­rität des Herren, des Herren der mesnada stehen, eine Familie genannt. Die Gesamtheit der Men­schen, die dem Baron, dem Feudalherren, unterste­he, wurde ebenfalls Familie genannt. Und wir können sehen, daß alle französischen Familien zusammen, wie eine Familie regiert wurden. Das Gebiet, auf dem die verschiedenen Obrigkeiten ausgeübt wurden, sei es nun die des Familienva­ters, des Herrn der mesnada, des Feudalherren oder Königs, nannte man in den Dokumenten ein­heitlich Patria, das heißt, die Herrschaft des Vaters. Funck-Brentano sagt, daß `das Vaterland seinem Ursprung gemäß, das Familienland, das Land des Vaters war. Dieser Begriff umfaßte die Herrschaft und auch das ganze Königreich, wobei der König der Vater des Volkes war. Die Gesamtheit der Gebiete, über die sich die Autorität des Königs erstreckte, wurde Patria – das Vaterland – genannt’“.1

 

1 L’Esprit  Familial dans la Maison, dans la Cité et dans l’État, Société Saint-Augustin, Desclée de Brouwer, Lille, 1910, S. 16-17.

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Teil III, Dokumente IX, No. 2.

 

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