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in den Ansprachen von Papst Pius XII

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5. Die Stadt bildet sich

„Die Tribus, die Familie, so wie die Phratrie waren zu einer unabhängigen Körperschaft gewor­den, weil sie einen besonderen Kult hatten, von dem der Fremde ausgeschlossen war. Einmal ge­bildet, ließ sie keine neue Familie mehr zu. Zwei Tribus konnten nicht mehr zu einer verschmelzen; ihre Religion widersetzte sich dagegen. Aber so wie sich einige Phratrien zu einer Tribus vereinten, so konnten sich auch einige Tribus vereinigen, vorausgesetzt, daß sie ihre Kulte gegenseitig ehrten. Am Tage, wo diese Vereinigung stattfand, entstand der städtische Staat. Es ist von geringer Bedeutung, die Ursache zu suchen, die mehrere nachbarliche Tribus bewog, sich zu vereinigen. Bald geschah die Vereinigung freiwillig, bald wurde sie durch die höhere Kraft einer Tribus oder durch den mächtigen Willen eines Menschen her­beigeführt. Sicher ist aber, daß das Band dieser netten Vereinigung wieder ein Kult war.

Antikkens Rom. Gemälde von Wenceslas Hollar

Die Tribus, die sich zur Bildung einer Stadt vereinig­ten, unterließen es nie, ein heiliges Feuer anzu­zünden und sich eine gemeinsame Religion zu geben. So hat sich die menschliche Gesellschaft in dieser Rasse nicht nach Art eines Kreises vergrößert, der sich nach und nacht erweitert und immer weitere Verbreitung findet. Ganz im Ge­genteile haben sich kleine Gruppen, die schon lange vorher bestanden, zusammen getan. Mehrere Familien haben die Phratrie gebildet, mehrere Phratrien die Tribus, mehrere Tribus die Stadt. Familie, Phratrie, Tribus, Stadt sind Gesell­schaftsgebilde, die einander genau gleichen und die durch eine Reihe von Verbindungen, eines aus dem anderen, entstanden. Es muß sogar bemerkt werden, daß je nachdem sich diese verschiedenen Gruppen untereinander vereinigten, keine von ihnen trotzdem ihre Individualität, ihre Unabhän­gigkeit einbüßte.

 

Wenn sich auch mehrere Familien in einer Phratrie vereinigt hatten, blieb doch jede so, wie sie zur Zeit ihres Alleinseins gewesen war, nichts wurde in ihr geändert, weder ihr Kult, noch ihr Priestertum, noch ihr Eigentumsrecht, noch ihre Justiz im Innern. Hernach bildeten sich kleine Kurien, aber jede behielt ihren Kult, ihre Ver­sammlungen, ihre Feste, ihr Oberhaupt. Von den Tribus ging man zur Stadt über, aber die Tribus waren deshalb nicht aufgelöst, und jede von ihnen bildete weiter eine Körperschaft, als ob die Stadt nicht existierte. …

Im Haus des Prinzen Napoleon. Gemälde von Gustave Boulanger.

 

So ist die Stadt nicht eine Vereinigung von Indi­viduen: sie ist eine Vereinigung von mehreren Gruppen, die vor ihr gebildet waren, und die sie fortbestehen läßt. Man sieht bei den attischen Rednern, daß jeder Athener zu gleicher Zeit an vier verschiedenen Gesellschaften teilnimmt; er ist Mit­glied einer Familie, einer Phratrie, einer Tribus und der Stadt“.1

 

1. Idem, S. 144, 145 und 146.

 

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente VII, No. 5.

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