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in den Ansprachen von Papst Pius XII

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Der Herr als Kompass und Wegweiser

Weihnachtsmesse

Für sie war Jesus Christus tatsächlich in allen Dingen die Leitfigur. „Um die Gestalt der Gottheit”, schreibt Johan Huizinga, „kristallisierte sich ein majestätisches System wechselseitig miteinander verbundener Figuren heraus, die alle einen Bezug zu Gott haben, weil alle Dinge von ihm ihre Bedeutung erhalten.”1

 

Mitternachtsmesse an Heiligabend.

Die Menschen des Mittelalters fühlten sich nicht nur zu einer abstrakten Figur der Gottheit hingezogen. Was sie berührte, war die Tatsache, dass das Wort, die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, Fleisch geworden war und unter uns gewohnt hatte. Der mittelalterliche Mensch nahm auf sehr persönliche Art und Weise nicht nur zu Herzen, wer Er ist, sondern auch alles, was Er gelehrt und getan hatte.

Wie wir bereits erwähnt haben, lässt sich ein schwaches Echo dieser allgemeinen Wahrnehmung noch in der Weise spüren, in der wir das Weihnachtsfest feiern. Der Heilige Abend ist immer noch durchdrungen von dieser mittelalterlichen Vorstellung von der Geburt unseres Erlösers; diese stille und heilige Nacht läßt uns immer noch die Süße und Perfektion spüren, die von dem göttlichen Kind in der Krippe in Bethlehem ausgeht.

 

Dasselbe tiefe und allgemeine Gefühl von Liebe und Dankbarkeit begleitete auch Leiden, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt unseres Herrn Jesus Christus – weit über irgendwelche anderen Andachtsübungen hinaus, die es davor gegeben hatte; diese fast zärtliche Haltung dem Erlöser gegenüber „löschte die Spuren der früheren Strenge und Zurückhaltung aus“, die die Entwicklung der Spiritualität in der frühen Kirche des patristischen Zeitalters geprägt hatten.2

„Es ist richtig, dass Augustinus große Liebe zu Gott empfand,” schreibt der Historiker Henry Osborn Taylor. „Diese Liebe war tiefempfunden; sie war logisch begründet; sie brachte seine Gedanken in leidenschaftliche Erregung. Und doch enthielt sie nicht jene zärtliche Liebe zu Christus, dem Gottmenschen, die in den Worten des heiligen Bernhard mitschwingt und das Leben des heiligen Franz zu einem lyrischen Gedicht machte.”3

 

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1 Huizinga, Waning of the Middle Ages, 202.

2 R. W. Southern, The Making of the Middle Ages (New Haven: Yale University Press, 1953), 233.

3 Henry Osborn Taylor, The Medieval Mind: A History of the Development of Thought and Emotion in the Middle Ages (New York: Macmillan, 1919), 1:360.

Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft, von John Horvat. Kapitel 50.

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