Ansprache des Papstes Paul VI. an seine Landsleute aus Brescia (26.9.1970):

Kaiserin Zita und ihr Sohn Erzherzog Otto bei der Krönung zur Königin von Ungarn im Jahr 1916. Gemälde von Gyula Éder (1875-1935)
„Erlaubt, daß einer Eurer Landsleute von gestern, einem der höchsten Werte des menschlichen Lebens seine Ehrerbietung erweist, der zugleich einer der vernachläßigsten ist: der Tradition. Sie ist ein fruchtbringender Schutz und ein Erbe, welches bewahrt werden muß. Die neuen Generationen sind alle der Gegenwart, oder sogar der Zukunft zugeneigt. Das ist gut so, wenn diese Tendenz nicht den tatsächlichen und allgemeinen Überblick auf das Leben verdunkelt. Denn, die Gegenwart auszuschöpfen und die Zukunft vorzubereiten, kann die Vergangenheit uns nützlich und, in gewisser Hinsicht, unentbehrlich sein.
Die revolutionäre Trennung von der Vergangenheit bedeutet nicht immer eine Befreiung, zu oft nur ist sie die Trennung von den eigenen Wurzeln. Um wirkliche Fortschritte zu machen und nicht zurückzufallen, ist es nötig, den geschichtlichen Sinn unserer Erfahrungen zu erkennen. Das stimmt sogar auf dem Gebiet der äußerlichen Dinge, technisch-wissenschaftlicher oder politischer Natur, wo die Veränderungen rascher erfolgen und mit mehr Ungestüm. Mehr noch gilt das jedoch auf allgemein menschlichem Gebiet und besonders für die Kultur. Und es gilt für unsere Religion, die insgesamt als Tradition von Christus herkommt.“[1]
[1] Insegnamenti di Paolo VI, Tipografia Poliglotta Vaticana, 1970, Bd. VIII, S. 943-944.
Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, DOKUMENTE VI, #5
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